Wir feiern wieder Gottesdienste – jeden Sonntagmorgen um 10:15 Uhr in der evangelischen Kirche Dietenheim

Ab dem 4. Mai dürfen in Baden-Württemberg wieder Gottesdienste gefeiert werden, jedoch nur unter strengen hygienischen Auflagen. Da das Bonhoefferhaus in Illerrieden sehr klein ist und wir dort die geforderten Mindestabstände nicht einhalten können, finden bis auf weiteres die Gottesdienste ausschließlich in der evangelischen Kirche in Dietenheim statt. Bitte bringen Sie zum Gottesdienst eine Gesichtsmaske mit.

Bitte beachten Sie die Hygieneregeln unserer Gottesdienste:

  • Ein Mindestabstand von zwei Metern ist einzuhalten. Personen, die in einem Haushalt leben, können jedoch näher zusammensitzen.
  • Die Sitzplätze in der Kirche sind begrenzt. Wir bitten Sie um Verständnis, falls wir Sie wegen einer überfüllten Kirche abweisen müssten.
  • Die Kirchen und Gottesdienstorte öffnen 15 Minuten vor dem Beginn des Gottesdienstes. Betreten der Kirche oder des Gottesdienstortes ist nur nach Aufforderung durch einen Ordner möglich.
  • Beim Betreten und Verlassen der der Kirche und am Gottesdienstort sind Mund und Nase durch eine Gesichtsmaske zu bedecken. Während des Gottesdienstes kann die Maske abgenommen werden. Es ist jedoch empfohlen die Maske die ganze Zeit zu tragen.
  • Aus hygienischen Gründen darf im Gottesdienst von der Gemeinde nur mit Maske gesungen oder laut gebetet werden (z.B. Psalmgebet oder Vaterunser).
  • Begegnungen, die dem derzeitigen allgemeinen Kontaktverbot widersprechen, sind zu vermeiden.
  • Bitte tragen Sie Ihren Namen in einem Blatt ein, das in den Bankreihen oder auf den Stühlen ausliegt. Somit könnte im Bedarfsfall vom Gesundheitsamt nachvollzogen werden, wer an diesem Gottesdienst teilgenommen hat.

 Das vollständige Hygienekonzept können sie hier herunterladen.

Gottesdienste und Andachten in der Corona-Zeit

Liebe Gemeindeglieder,

in Zeiten der Corona Pandemie sind Gottesdienste nur eingeschränkt und unter stregen Hygieneauflagen möglich. Daher möchten wir Sie auf die weiteren Angebote der Landeskirche hinweisen.

Der Fernsehgottesdienst
jeden Sonntagmorgen um 9:30 Uhr wird im ZDF der Fernsehgottesdienst übertragen. Außerdem steht er rund um die Uhr in der ZDF-Mediathek zur Verfügung.

Kirchenfernsehen
Das Evangelische Medienhaus in Stuttgart produziert jede Woche einen Fernsehgottesdienst. Diese Gottesdienste sind online abrufbar.

Weitere Gottesdienstübertragungen
In der evangelischen Landekirche gibt es viele Kirchengemeinden, die ihre Gottesdienste streamen. Hier geht es zur Übersicht der Angebote.

Kinderkirche online
Kindergottesdienst zu Hause feiern? Der Landeskinderkirchverband streamt in den kommenden Wochen Online-Kindergottesdienste unter www.kirchemitkindern-digital.de.

Unser Youtube-Kanal
Unsere Kirchengemeinde betreitb einen eigenen Youtube-Kanal. Dort gibt es regelmäßig Andachten und Impulse.

Gottesdienste zum Download und Zuhause feiern

  • add 12. Juli - fünfter Sonntag nach Trinitatis

    Santo subito – oder wie wird man eigentlich ein Heiliger?

    Liebe Leserinnen und Leser,

    Heilige waren besondere Menschen. Sie hatten einen starken Glauben und standen Gott besonders nahe. Sie haben vorgelebt, was es bedeutet ein Christ zu sein: Sie waren Helfer in der Not und Zeuginnen der Liebe Gottes. In den ersten Jahrhunderten des christlichen Glaubens haben die einzelnen Gläubigen selbst festgelegt, welche Heilige sie verehrten. Dann wurde es strenger geregelt und mittlerweile gibt es ein klares Verfahren, wie man oder frau zu einer Heiligen wird.

    Nach dem Tod eines Menschen kann ein sogenanntes bischöfliches Erhebungsverfahren stattfinden, dann folgt im Vatikan ein Seligsprechungsverfahren und schließlich ein Heiligsprechungsverfahren. Alle Schriften und Veröffentlichungen müssen überprüft werden. In dieser Zeit muss der Verstorbene Wunder vollbringen. Es ist ein aufwendiges Verfahren, denn es muss kritisch geprüft werden, ob die Person tatsächlich ein Heiliger oder eine Heilige ist.

     

    Wir Evangelische haben es nicht so sehr mit den Heiligen. Wir beten direkt zu Gott, nicht zu Mittelsleuten. Heilige sind jedoch Vorbilder im Glauben. Sie inspirieren zu guten Taten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Während der Reformation gab es an vielen Orten „Bilderstürmer“. Sie haben Heiligenbilder zertrümmert und Heiligenstatuen von ihren Sockeln gestoßen. 1533 wurden auch im Ulmer Münster die Heiligenstatuen aus er Kirche geschafft. Sie sollten nicht länger von Christus ablenken und den Blick auf Gott versperren. Für manche war es auch ein willkommener Anlass, Dinge kurz und klein hauen zu dürfen. 350 Jahre blieben die Sockel in der Kirche leer. Doch ab 1880 wurden neue Heiligengestalten aufgestellt: Propheten und Apostel, aber auch Kaiser, Herzöge, Musiker und Theologen.

    In den USA und in vielen weiteren Ländern erleben wir heute wieder eine Art Bildersturm: Statuen werden von Ihren Sockeln gestoßen, weil sie bei einem genauen Blick doch keine so großen Vorbilder waren. Das betrifft auch die Vorbilder in unserem Land: Robert Koch war Pionier der Infektionsforschung und hat den Tuberkuloseerreger entdeckt. Andererseits hat er in Afrika an Menschenversuchen teilgenommen. Martin Luther war mutiger Reformator, der die Menschen von der Angst vor Gott befreit hat. Andererseits hat er im Alter zutiefst beschämendes über die Juden geschrieben. Es ist schwierig Menschen auf ein Heiligenpodest zu stellen.

    Zum Glück blieben im Ulmer Münster ungefähr ein Viertel der Sockel bis heute leer. Wen würden wir heute für uns persönlich auf diesen Sockel stellen? Wer sind für uns heute Heilige – Vorbilder des Glaubens, Zeugen der Liebe Gottes und Helferinnen in der Not?

    Für mich sind das meine Großeltern, die mir als Kind den Glauben vorgelebt haben: In der Bibel zu lesen, den Tag mit einem Gebet zu starten und jeden Abend das Gesangbuch zur Hand zu nehmen gehörte ganz selbstverständlich zum Tagesablauf. Sie waren einfache Bauern und für einen Platz auf einem Heiligenpodest wird es wohl nicht reichen. Dennoch haben sie mir den Glauben in Wort und Tat vorgelebt. Wahrscheinlich würde ich auch Martin mit dazustellen, meinen früheren Jugendkreisleiter. Er hatte keine spannenden Andachten parat und konnte sich auch nicht besonders eloquent ausdrücken. Doch er hat uns pubertierende Jungs ausgehalten. Wir rangen mit ihm auf der Kampfmatte auf dem Dachboden des Gemeindehauses. Danach hörte er unseren Fragen nach dem Leben und der Liebe zu und auch warum die Eltern gerade so furchtbar anstrengend sind. Ihm verdanke ich es, dass ich es, dass ich Kirche als einen Ort erlebt habe, an dem ich und dass was mich beschäftigt, ernstgenommen werden. Kirche wurde für mich so zu einem Ort, an dem ich mich entfalten konnte.

    Viele weitere Heilige sind mir seitdem begegnet: Vorbilder des Glaubens, Helfer in der Not, Menschen die mir die Liebe Gottes vor Augen gemalt haben. Manche wissen gar nichts davon. Vermutlich würde keiner einem päpstlichen Verfahren zur Heiligsprechung standhalten, denn neben den guten Seiten schlummern auch andere Seiten in ihnen. Für mich war dies in dem jeweiligen Moment jedoch unwichtig.

     

    Santo subito – oder wie wird man eigentlich ein Heiliger?

    Heilige haben mich begleitet. Menschen wurden für mich zu einem Vorbild des Glaubens, haben mir die Liebe Gottes vorgelebt und waren Helfer in der Not. Doch wie werde ich eigentlich selbst zu einem oder einer Heiligen? Bis die katholische Kirche jemanden als Heiligen anerkennt ist es ein weiter Weg. Doch für eine konkrete Person zu einer Heiligen werden ist schon einfacher. Ein konkreter Schritt bedeutet den Glauben vorleben, ganz unaufgeregt und selbstverständlich: Den Kindern und Enkeln, dem Nachbarn. Das heißt zu zeigen, was mir Gott in meinem Alltag bedeutet und dass es tatsächlich einen Unterschied macht, wenn ich an Gott glaube. Die Liebe Gottes weiterzugeben kann ein weiterer Schritt sein: Zu lächeln wo viele nur mürrisch blicken. Ein freundliches Wort zu sagen, wo manch andere Menschen nur niedermachen. Ein dritter Schritt ist die Liebe Gottes in Wort und Tat weiterzugeben: Wahrzunehmen wo jemand meine Hilfe brauchen könnte und zu helfen, ohne ein großes Aufhebens darum zu machen.

    Zu einer Heiligen im offiziellen Kalender wird man dadurch wohl nicht, aber zu einem Heiligen im Leben eines konkreten Menschen. Das ist für den Angang gar nicht schlecht.

    Werden Sie zu einem oder einer Heiligen und bleiben Sie gesund,
    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 5. Juli - vierter Sonntag nach Trinitatis

    Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Galater 6,2

    Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

    der Künstler Ernst Barlach hat ein faszinierendes Halbrelief geformt. Sein Titel lautet „Der Lahme und der Blinde“. Der Blinde ist stark und kann gut laufen. Aber er sieht nicht wohin er geht und verliert leicht die Orientierung. Der Lahme sieht sehr gut, aber er kann nicht auf eigenen Beinen stehen. Auf Barlachs Relief trägt der Blinde den Lahmen auf seinen Schultern. Der Lahme gibt die Richtung für beide vor und der Blinde geht den Weg. Einer trägt des anderen Last und beide kommen ans Ziel.

    Wir tragen Lasten und muten uns gegenseitig Lasten zu. Wir tun dies als Paar, als Familie, als Nachbarschaft, als christliche Gemeinde, als Gesellschaft in einer Stadt oder in einem Dorf und als Gesellschaft in einem ganzen Land. Lasten können eine Krankheit oder eine Behinderung sein, so dass jemand Hilfe und Pflege braucht. Es können charakterliche Eigenschaften sein, dass jemand immer Recht behalten will, die Neigung hat aus einer Mücke einen Elefanten zu machen oder Unzuverlässigkeit. Manchmal sind es Altlasten, die einem immer noch vorgehalten werden, obwohl der Vorfall schon Jahre oder gar Jahrzehnte her ist. In unserem Miteinander sind wir Last für andere und wir erleben Last durch andere.

    Einer trage des anderen Last.

    Wie können wir Lasten anderer Menschen tragen, wo wir doch selbst schon eigene Lasten zu tragen haben? Wer sich immer mehr auflädt und zumutet wird am Ende irgendwann einmal zusammenbrechen.

    Eine Möglichkeit ist füreinander zu Gott zu beten. Wenn ich für einen anderen Menschen bete, dann wird mir bewusst, dass ich nicht alleine für diese Person zuständig bin. Ich bitte Gott zu helfen und weiß, dass Jesus die Lasten der Menschen schon längst auf sich genommen hat. Gott kann helfen, manchmal durch mich und manchmal durch andere Menschen.

    Außerdem muss ich meine eigene Last nicht verschweigen, sondern darf meine Last auch anderen Menschen zumuten. Es gibt im christlichen Sinn Brüder und Schwestern, die meine Last mittragen. Ich muss nicht alles selbst können und alles selbst mit mir ausmachen. Das wäre trostlos und unchristlich. Nur wenn ich selbst erlebt habe wie es ist, wenn andere meine Lasten mittragen, kann ich auch selbst die Lasten anderer Menschen tragen.

    Außerdem ist die Aufforderung, dass einer des anderen Last trage, an eine größere Gemeinschaft gerichtet. Für einen einzelnen wäre es schnell eine große Überforderung.

    Übrigens: Last hat oft etwas mit Schuld zu tun. Beim Vaterunser beten wir in jedem Gottesdienst: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Wir bitten, dass Gott unsere Lasten abnimmt und klären uns bereit, auch anderen die Last der Schuld abzunehmen und nicht dauernd hinterherzutragen. Wann sind Sie das letzte Mal nach einem Streit auf einen Mitmenschen zugegangen und haben zu ihm oder ihr gesagt: „Ich vergebe dir. Was zwischen uns stand soll unsere Beziehung nicht länger belasten.“ Dieses deutlich auszusprechen ist ungewohnt, aber heilsam.

    Tragen Sie gemeinsam Lasten, lassen Sie sich beim Lastentragen helfen und bleiben Sie gesund,

    ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

     

    P.S. Der christliche Liedermacher Manfred Siebald hat ein wunderschönes Lied zum Thema Lastentragen gedichtet

    Refrain: Gut, dass wir einander haben,
    gut, dass wir einander sehn,
    Sorgen, Freuden, Kräfte teilen
    Und auf einem Wege gehn.
    Gut, dass wir nicht uns nur haben,
    Dass der Kreis sich niemals schließt
    Und dass Gott, von dem wir reden,
    Hier in unsrer Mitte ist.

    1. Keiner, der nur immer redet;
    Keiner, der nur immer hört.
    Jedes SchweigenJedes Hören,
    Jedes Wort hat seinen Wert.
    Keiner wider spricht nur immer,
    Keiner passt sich immer an.
    Und wir lernen
    Wie man streiten
    Und sich dennoch lieben kann.

    2. Keiner, der nur immer jubelt;
    Keiner, der nur immer weint.
    Oft schon hat uns Gott in unsrer
    Freude, unsrem Schmerz vereint.
    Keiner trägt nur immer andre;
    Keiner ist nur immer Last.
    Jedem wurde schon geholfen;
    Jeder hat schon angefasst.

    3. Keiner ist nur immer schwach,
    Und keiner hat für alles Kraft.
    Jeder kann mit Gottes Gaben das tun,
    Was kein anderer schafft.
    Keiner, der noch alles braucht,
    Und keiner, der schon alles hat.
    Jeder lebt von allen andern;
    Jeder macht die andern satt.

    Refrain: Gut, dass wir einander haben,
    gut, dass wir einander sehn,
    Sorgen, Freuden, Kräfte teilen
    Und auf einem Wege gehn.
    Gut, dass wir nicht uns nur haben,
    Dass der Kreis sich niemals schließt
    Und dass Gott, von dem wir reden,
    Hier in unsrer Mitte ist.

    Text: Manfred Siebald

  • add 28. Juni - dritter Sonntag nach Trinitatis

    Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

    Energie auf Knopfdruck – so höre und sehe ich es regelmäßig vor der Tagesschau: kleine Kügelchen tauchen in eine rötliche Flüssigkeit und ein stilisierter Mann im Hintergrund beginnt loszurennen. Das geistige und körperliche Wohlbefinden soll verbessert werden. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

    So eine Erquickung tut gut. Kurzfristig mögen so kleine Doping-Gaben helfen: Kaffee, Powerriegel und medizinische Präparate. Dann kann sich das Hamsterrad weiterdrehen. Doch hilft das auf Dauer?

    Eine langfristige Lösung wäre zu sehen, wo die Erschöpfung und die Überlastung herkommen. Wie kann ich damit umgehen mit dem was mich überfordert. Sind es die Ansprüche der Menschen an mich oder sind es meine eigenen Ansprüche an mich selbst? Und wer behält in Stürmen und Krisen den Überblick?

    Eine Antwort darauf finde ich in einem Bibelvers aus Matthäus 11: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

    Jesus sagt: Kommt zu mir, so wie ihr seid – fröhlich und hoffnungsvoll, aber auch mühselig und beladen. Kommt mit euren Sorgen und Ängsten, kommt mit euren Fragen was die Zukunft bringt und wie es bei uns während der Corona-Pandemie weitergeht. Bei Jesus wissen wir, dass wir mit unseren Problemen nicht alleine sind, sondern mit Jesus und mit anderen Christen gemeinsam auf dem Weg sind. Hier wird schönes und Schweres geteilt und Lasten gemeinsam getragen. Jesus trägt mit.

    Im Chaos und in den Stürmen der Zeit behält Jesus den Überblick. Die Bibel erzählt eine spannende Geschichte von der Sturmstillung. Die Jünger und Freunde Jesus fahren gemeinsam über einen See. Ein Sturm zieht auf. Die Jünger haben Angst unterzugehen. Sie kämpfen im Sturm um das Boot und um ihr eigenes Leben. Da greift Jesus ein. Er bleibt ruhig und gelassen. Er behält den Überblick. Er handelt und die Situation beruhigt sich. Die Menschen, die eben noch Angst um ihr Leben hatten wissen: Wenn Jesus da ist, dann weiß ich, dass er die Situation in seiner Hand hält.

    Jesus sagt: kommt alle her zu mir, alle die ihr Mühselig und Beladen seid. Keine Situation ist zu kompliziert oder zu aussichtslos. Ich werde euch erquicken.

    Eine Erquickung ist etwas anderes als ein Vitaminpräparat, ein starker Kaffee oder ein Dopingmittel. Für Jesus bedeutet Erquickung eine Pause zu machen und auszuruhen. Ein gesunder Schlaf bringt langfristig viel mehr als ein starker Kaffee oder ein medizinisches Präparat. Es geht nicht um Leistungssteigerung, Optimierung oder gar um Raubbau an einem selbst, sondern um die grundlegende Erholung eines ausgebrannten Menschen. Jesus hält das Hamsterrad an.

    Die Begegnung mit Jesus ist mehr als ein schöner Urlaub, nachdem es direkt in das Hamsterrad zurückgeht. Jesus macht Mut, unser Leben zu überdenken: Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir. Von Jesus zu lernen heißt in einem engen Kontakt zu Gott zu stehen, sich in der Hektik des Alltags zurückzuziehen, sich auf Gott zu besinnen und zu beten. Jesus macht uns Mut wie bei der Begegnung mit Maria und Martha: Es kommt nicht nur darauf an immer hart zu arbeiten, zu schaffen und zu werkeln. Es kommt auch darauf an, sich Zeit zu nehmen und Jesus zuzuhören. Das Leben zu genießen und über den Sinn des Lebens nachzudenken.

    Jesus zeigt uns immer wieder: Wir Menschen haben unseren Wert nicht durch das was wir schaffen und leisten. Wir haben unseren Wert dadurch, dass Gott zu uns sagt: „Du bist mein Kind. Ich bin immer für dich da. Du bist wertvoll für mich, egal was die anderen sagen.“ Lernt von mir: So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

    Und dann gilt es so weiterzuleben wie es Jesus gefällt: Im Frieden mit Gott, mit meinen Mitmenschen und mit mir selbst. Dieser Zuspruch Gottes verändert mein Leben. Er richtet sich auch gegen eine religiöse Leistungsgesellschaft: Wer glaubt am meisten? Wer ist am frömmsten und kennt sich am Besten in der Bibel aus? Wer hat am meisten Gottvertrauen und in Krisenzeiten am wenigsten Zweifel? Denn: Mein Joch ist leicht und meine Last ist sanft.

    Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

    Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Das ist kein Doping, sondern eine grundsätzliche Lebenseinstellung. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker, fragen Sie Jesus.

    Werden Sie erquickt und bleiben Sie gesund,
    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 21. Juni - zweiter Sonntag nach Trinitatis

    Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

    die Corona-Pandemie ist ja schon fast vorüber und wir können wieder aufatmen, jubeln die einen. Das dauert noch ganz lange, fürchten die anderen. Wer nun recht hat wird sich zeigen. Bis dahin gilt es gelassen zu sein und die Entwicklungen und Maßnahmen so zu nehmen, wie sie kommen.

    Gelassenheit ist ein großes Wort und ich wünsche mir oft mehr davon: Wenn die Kinder, die seit Wochen wenig Alltag und keinen Sportverein mehr hatten, lärmend durch das Haus toben. Wenn vor mir einer ganz langsam auf der Straße zuckelt, obwohl ich es doch heute besonders eilig habe. Wenn ich beim Arzt auf das Ergebnis der Untersuchungen warte und weiß, es geht ums Ganze. Wenn ich mal wieder alles sofort und auf einmal haben will und bete: „Lieber Gott, schenke mir Geduld, aber bitte sofort!“

     

    Das Wort Gelassenheit bedeutete früher Gottergebenheit. Heute bedeutet es Ruhe, Gleichmut und ein abgeklärtes Wesen. Es geht um eine innere Lebenshaltung.

    Im Wunsch nach Gelassenheit steckt eine tiefe Sehnsucht: In unserer verdichteten und schnellen Zeit sehnen wir uns nach Ruhe, Entschleunigung, Heiterkeit, bei-sich-sein, dem Eigentlichen auf der Spur bleiben.

    Gelassenheit hat einen christlichen Hintergrund: Meister Eckhart hat den Begriff Gelassenheit geprägt. Er war ein bedeutender Theologe und Philosoph des späten Mittelalters. Sein Motto war: „Sich selbst zu lassen“ Das heißt nicht sich zurückzuziehen, denn Meister Eckhart stand mitten im Leben. Durch seine zahlreichen Verpflichtungen als Dominikanermönch hatte er einen vollen Terminkalender. Er war alles andere als ein Einsiedler. Sein Anliegen war das Loslassen des Sichselbstbehauptenmüssens. Das heißt, ich muss nicht alles selbst machen und alles selbst in der Hand haben. Dann kann Gott in uns da sein und in uns wirken.

     

    Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,

    werden Sie gelassen. Lassen Sie los und vertrauen Sie auf Gott. Überfordern Sie sich dabei nicht damit, dass Sie zu viel auf einmal wollen. Eine gute Anleitung dafür findet sich bei Papst Johannes XXIII.

    1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

    2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern - nur mich selbst.

    3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin - nicht für die andere, sondern auch für diese Welt.

    4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

    5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

    6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.

    7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

    8. Nur für heute werde ich fest glauben - selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten - , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

    9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist - und ich werde an die Güte glauben.

    10. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen - und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

     

    Ein schönes Gebet gibt es bei dem amerikanischen Theologen Reinhold Niebur

    Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
    Einen Tag nach dem anderen zu leben,
    einen Moment nach dem anderen zu genießen.
    Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren,
    sie anzunehmen, wie Jesus es tat:
    diese sündige Welt, wie sie ist,
    und nicht, wie ich sie gern hätte,
    zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
    wenn ich mich Deinem Willen hingebe,
    sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge
    und im nächsten Leben für immer überglücklich.
    Amen.

     

    Ich wünsche Ihnen Gelassenheit und bleiben Sie gesund,
    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz           

     

  • add 14. Juni - erster Sonntag nach Trinitatis

    Liebe Gemeinde,

    von einem guten Bekannten habe ich einmal gehört, dass er häufig den unteren Weg wählt. Er möchte in seinem Alltag versuchen das zu tun, was Gott von ihm will und von ihm verlangt. Wenn er sich bei seinen Entscheidungen nicht sicher ist, ob es wohl das ist, was Gott von ihm will, wählt er das, was er den unteren Weg nennt: Er überlegt sich, was das für ihn Unangenehmere ist, damit er nicht aus Bequemlichkeit eine Entscheidung gegen den Willen Gottes trifft.

    Ganz anders machte es der Prophet Jona in der Bibel in einem für diesen Sonntag vorgegeben Bibeltexte: Gott ruft Jona und gibt ihm die Aufgabe nach Ninive zu gehen. Er soll dort zu den Menschen predigen, sie zur Umkehr bewegen und sie von ihren bösen Wegen abbringen. Jona fragt nicht groß nach Gottes Willen, sondern Gott gibt ihm einen klaren Auftrag. Gott ist unüberhörbar.

    Jona hat jedoch keine Lust, Gottes Auftrag auszuführen. Er geht in den nächsten Hafen und sucht das Schiff, das an den am weitesten entfernten Ort fährt, der den Menschen in Israel damals bekannt war: Tarsis in Spanien. Schnell versteckt er sich im Bauch des Schiffs und hofft, dass Gott ihn so nicht mehr findet. Vielleicht befürchtet er, dass er ausgelacht und ausgegrenzt wird. Wer mag schon Leute, die einen mit ihrer Nörgelei auf die Nerven gehen.

    Jona flieht, doch Gott entlässt ihn nicht so ohne Weiteres aus seinem Auftrag. Gott schickt einen großen Sturm, um Jona auf den rechten Weg zurückzubringen. Die Seeleute versuchen miteinander das Boot zu retten, um zu überleben. Sie werfen die ganze Ladung über Bord. Das war ein riesiger wirtschaftlicher Schaden. Nebenbei beten und rufen die Menschen jeweils zu ihren Göttern.

    Jona schläft im Bauch des Schiffs und wird vom Kapitän wachgerüttelt. Die Schuldfrage wird thematisiert: Warum erleben wir diesen Sturm? Jona gesteht seine Fehler und bietet an, dass er über Bord geht, damit das Schiff und die Besatzung gerettet werden. Jona weiß, dass dies sein Tod bedeuten würde. Zuerst gehen die Seeleute nicht auf sein Angebot ein. Aber als sie merken, dass sie das Schiff nicht länger halten können, lassen ihn die Matrosen über Bord gehen. Es ist kein Racheakt, sie wollen nur überleben.

    Gott rettet Jona und schickt einen Fisch, der ihn verschluckt. Dieser Fisch schwimmt mit ihm an die richtige Küste und bringt ihn dorthin, wo Gott ihn haben möchte. Dort wird er ausgespuckt und an Land gespült. Nun steht Jona wieder auf den Füßen und ist zurück in der Realität des Lebens. Seinem Auftrag konnte er nicht entfliehen. Er hat höchstens einen Umweg gemacht und kommt einige Tage später nach Ninive.

    Als Kind fand ich Jona doof: Weil er vor Gottes Auftrag flieht, verlieren die Schiffsbesitzer die Ladung und damit ihr Geld. Heute bin ich jedoch von der Jona-Erzählung fasziniert: Gott hat die Flucht und den Umweg Jonas geschickt genutzt, um sich nebenbei um ein paar ganz andere Menschen zu kümmern: hartgesottene Seeleutewurden plötzlich zu gläubigen und gottesfürchtigen Menschen. Ist das Seelenheil der Seeleute nicht viel mehr wert als die Rendite der Schiffseigner?

    Mir zeigt die Erzählung des Jona zum einen, dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche, ob ich immer Gottes Wille höre. Wenn ich versuche auf Gott zu hören, wird mir Gott den richtigen Weg zeigen. Ich brauche keine Angst zu haben, dass ich dabei etwas falsch machen würde. Die Geschichte von Jona zeigt mir, dass Gott sich deutlich melden wird, wenn ich auf falschen Wegen unterwegs bin.

    Zum anderen nimmt mir die Bibel die Angst, dass meine Umwege vertane Zeit wären: Gott hat die Umwege des Jona genutzt um nebenbei Seeleute den Glauben nahezubringen. Gott kann auch meine Umwege und Wirrungen nutzen, um daraus etwas Gutes entstehen zu lassen.

    Hören Sie auf Gottes Stimme und machen Sie sich das Leben nicht schwerer und komplizierter als es eh schon manchmal ist,

    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 7. Juni - Sonntag Trinitatis

    „Und“, fragt der Professor den Theologiestudenten am Ende einer schlechten Prüfung, „können Sie denn wenigstens die Dreieinigkeit erklären?“ – Da strahlt der Student und meint: „Na das kann ich! Nun, die Dreieinigkeit kann man so erklären...“ – da unterbricht ihn der Professor: „Tut mir leid, Sie sind durchgefallen. Die Dreieinigkeit kann niemand erklären.“

    Wie der Gott der Christen gleichzeitig Vater, Sohn und Heiliger Geist sein kann ist schwer nachzuvollziehen und schwer zu verstehen. Aber diese Vorstellung von der Dreieinigkeit hilft mir, von Gott zu reden. 

    Ist das wirklich dieselbe Person? So frage ich mich manchmal, wenn ich Menschen in verschiedenen Situationen erlebe. Da gibt es die sonst zurückhaltende und eher spröde Notarin, die in der Theatergruppe plötzlich locker erscheint und aus sich herausgehen kann. Ich denke an den meist grimmig dreinblickenden Türsteher, dem bei kleinen Kindern das Herz aufgeht und der sanft und liebevoll wirkt.

    Ist das wirklich derselbe Gott, so fragen sich Christinnen und Christen seit langer Zeit, wenn sie Gott auf ganz verschiedene Arten und Weisen erleben: Christinnen und Christen erleben Gott als den allmächtigen Schöpfer. Gott hat die Welt erschaffen und ist Herr über Himmel und Erde. Gott hat Macht und hält die ganze Welt in seiner Hand.

    Macht schafft Distanz, denn eine mächtige Person empfindet man oft als unnahbar und mitunter angsteinflößend. Ein ganz anderes Gesicht von Gott begegnet uns in Jesus Christus. Jesus begegnet uns auf Augenhöhe. Als kleines und verletzliches Kind kam er auf die Welt. Er war den Mächtigen ausgeliefert und ist am Kreuz gestorben. Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass dieser Tod kein Scheitern war, sondern dass Jesus alles ausgeräumt hat, was uns von Gott trennt.

    Ein Gott, der in einer menschlichen Person ist kann nur an einem Ort gleichzeitig sein. Im Heiligen Geist erleben Christenmenschen jedoch auch, dass Gott ihnen immer und überall nahe ist. Gottes Geist begleitet uns in unserem Alltag. Gottes Geist macht den Menschen Mut und stiftet in ihnen den Glauben.

    Wie drei verschiedene Personen kommen mir diese drei Aspekte von Gott vor und doch ist es ein Gott. Verstehen kann man das kaum. Ganz grundsätzlich erklären wohl noch viel weniger. Aber es hilft mir von Gott zu sprechen: So wie in der korrekten und spröden Notarin auch ein ausgelassener Mensch und hinter dem finster blickenden Türsteher auch ein kinderfreundliches Wesen steckt, so steckt hinter allen Erfahrungen der ganze und einzige Gott. Wann immer ich einen Aspekt von Gott erlebe, bin ich mir sicher, dass dahinter dennoch der ganze Gott steckt.

    Ich wünsche Ihnen ein schönes Dreieinigkeitsfest,

    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 31. Mai - Gedanken zu Pfingsten

    Gott will Urlaub machen. Vater, Sohn und Heiliger Geist setzen sich zusammen um zu beraten, wo es hingehen soll. „Nach Jerusalem“, schlägt der Schöpfer vor. „Nein, das will ich nicht. Ich habe schlechte Erfahrungen in Jerusalem gemacht“, sagt Jesus. „Aber ich schlage Rom vor.“ „Prima“, ruft da der Heilige Geist, „in Rom war ich nämlich noch nie.“

    Natürlich funktioniert der Witz auch mit Wittenberg oder anderen evangelischen Zentren…

    An diesem Wochenende feiern wir Pfingsten: Das Fest des Heiligen Geistes und der Geburtstag der Kirche. Hinter dem Witz steckt eine ernste Frage: Wer ist der Heilige Geist und wo ist er zu finden? Oder auch nicht zu finden. Wie wirkt der Heilige Geist und was sind seine Aufgaben?

     

    Wenn der Heilige Geist kommt, dann wird es chaotisch und kreativ zugehen, so sagen die einen. In der Bibel in der Apostelgeschichte kann man die Ereignisse rund um das Pfingstfest nachlesen: Die Jünger hatten den Tod Jesu miterlebt. Mit Jesus war alles gestorben worauf sie gehofft und woran sie geglaubt hatten. Doch an Ostern hatten sie erlebt, dass das Leben und die Liebe stärker sind als der Tod, weil Gott stärker ist als der Tod. Jesus lebt! Doch wie kann das sein? Sie hatten sich darüber gefreut und doch hat es sie überfordert. Jesus ist an Christi-Himmelfahrt in den Himmel aufgefahren und nun blieben die Jünger alleine zurück. Jesus hatte versprochen, dass er seinen Geist senden würde. Doch davon hatten die Jünger bisher wenig erlebt. So saßen die Freundinnen und Freunde Jesu zusammen. Sie zogen sich zurück und verließen kaum das Haus.

    Doch dann kam Pfingsten und an Pfingsten der Heilige Geist: Es wehte ein kräftiger Wind, man hörte ein Rauschen und die Menschen hatten Feuerflammen über ihren Köpfen. Die verängstigten Jünger konnten plötzlich mutig auftreten und so sprechen und von Gott erzählen, dass alle es verstehen konnten. Sie heilten Menschen von ihrer Krankheit. Menschen glaubten an Gott und Tausende ließen sich taufen. So wirkt der Heilige Geist. Wir feiern an Pfingsten, dass der Heilige Geist da ist und uns Menschen von Grund auf verändert.

     

    Wenn der Heilig Geist nur so spektakulär wirken würde, dann wäre der Geist Gottes wohl weder in Rom noch in Wittenberg zu finden, von Dietenheim und Illerrieden ganz zu schweigen.

    Zum Glück erzählt die Bibel noch anders vom Heiligen Geist. Paulus schreibt, dass es der Geist Gottes ist, der uns Menschen zum Glauben an Gott bringt. Das kann manchmal ganz spektakulär geschehen und oft ganz still und leise. Wenn wir die Bibel lesen und sie verstehen, wenn sie unser Herz berührt, ist das für Paulus das Werk des Heiligen Geistes. Dass wir auch in Krisen den Glauben und die Hoffnung nicht verlieren, da steckt Gottes Heiliger Geist dahinter.

    Im Johannesevangelium wird der Geist Gottes als der Tröster beschrieben. Die Jünger sind traurig, weil Jesus von ihnen Abschied nimmt. Mein Geist bleibt bei euch und er unterrichtet euch in allem, was ihr bisher noch nicht verstanden habt, so sagt es Jesus ihnen. Der Geist Gottes unterstützt euch, er tröstet euch, er gibt euch Hoffnung und Mut für jeden einzelnen Tag.

    Der Heilige Geist kann die Menschen auf einen Schlag verändern und er kann spektakuläre Wunder vollbringen, so wie damals vor fast 2000 Jahren in Jerusalem. Er kann jedoch genauso gut im Verborgenen wirken. Das Spektakel ist nicht der Maßstab für das Wirken Gottes. Egal wie er wirkt, der Heilige Geist ist immer voll und ganz da. Auch wenn wir genau hinhören und hinsehen müssen hat der Geist Gottes nichts von seiner Kraft eingebüßt.

    Da wo Menschen getröstet werden, wo sie glauben und hoffen können ist Gottes Geist da. Daher bin ich mir sicher: Der Heilige Geist ist in Rom und in Wittenberg. In Illerrieden und Dietenheim sowieso.

    Werden Sie am Pfingstfest von Gottes Geist beseelt und bleiben Sie gesund,
    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 21. Mai: Gedanken zu Christi Himmelfahrt

    Liebe Gemeinde

    In diesen Tagen feiern wir den Vatertag. Ich habe ein Bild vor dem inneren Auge, wie dieser Tag abläuft: Endlich haben die Väter einmal frei und können es sich mit ihren Freunden gut gehen lassen. Sie ziehen mit der Bierflasche in der Hand und mit dem Nachschub im Bollerwagen durch Wald und Flur. Während die Mütter am Muttertag zu Hause bei ihren Familien bleiben, haben die Väter endlich einmal frei. Sie suchen das Weite und die Freiheit.

    Ich finde es interessant, dass der Vatertag genau auf Christi Himmelfahrt fällt. Väter brechen auf, um für einen Tag zu gehen. Jesus bricht auf, um wieder bei seinem Vater zu sein. In der Bibel soll wieder zusammenfinden, was eigentlich immer schon zusammengehörte.

    Ich muss zugeben, ich male ein sehr dürftiges und einseitiges Bild der Väter. Zum Glück sind nur ganz wenige wirklich so. Bei genauerem Hinblicken habe ich den Eindruck: Diejenigen, die am Vatertag um die Häuer ziehen sind meist gar keine Väter oder noch keine Väter. Viele Väter jedoch nutzen den Tag, um etwas mit ihrer Familie zu unternehmen. Gut, dass es in unserer Gesellschaft hier einen Wandel im Vaterbild und im Rollenverständnis der Männer gibt.

    Gut, dass es seit vielen Jahren die Elternzeit auch für die Männer gibt uns sich immer mehr dazu entschließen einige Monate ganz für ihre Kinder da zu sein. Als ich selbst für meine Kinder in Elternzeit war, haben mir einige ältere Männer mit Bedauern erzählt, dass sie so etwas auch gerne gemacht hätten. Aber damals war das Rollenbild ein ganz anderes: Der Mann machte Karriere, er brachte das Geld nach Hause und ernährte die Familie. Um die Kinder kümmerte sich die Frau.

    Der doppelte Feiertag - Vatertag und Christi Himmelfahrt - zeigt mir: Väter sind gefragt, denn Gott ist wie ein Vater!

    Gott ist wie ein Vater - für einige klingt dieses Bild eher wie ein Albtraum. Manche sagen, wenn Gott wie ein Vater ist, dann will ich mit ihm nichts zu tun haben, denn mein Vater, nun ja, diplomatisch ausgedrückt: Er war nicht sonderlich nett und einfühlsam, sondern hat mit strenger Hand regiert. Gott ist nicht wie unsere Väter. Nicht unsere Väter sind der Maßstab und Leitfaden dafür, wie Gott als Vater zu handeln und sich zu benehmen hat. Gott ist der Maßstab und die Leitlinie für unsere Väter und für uns Männer, die wir selbst Väter sind.

    Wie dieser Vater ist und wie Gott mit den menschlichen Rollenbildern bricht, beschreibt uns die Erzählung vom verlorenen Sohn auf recht eindrückliche Art und Weise. Der Sohn bricht seine Zelte und den Kontakt zu seinem Vater ab. Er zieht in die Ferne. Nachdem er dort gescheitert ist, kommt er reumütig zurück. Der Vater wartet auf ihn. Er rennt ihm entgegen und schließt ihn in die Arme. Er freut sich und feiert ein großes Fest, weil sein Sohn zurückkam. Für uns heute ist das durchaus eine normale Vorstellung. Damals war es jedoch ein Bild mit einer großen Sprengkraft: Ein Vater, der Gefühle zeigt? Unvorstellbar! Ein Vater, der sich freut, wenn sein Sohn gescheitert zurückkommt? Ein Vater, der sich freut, obwohl der Sohn sein Erbe verprasst hat und alles aus dem Fenster geworfen hat, was sein Vater sich mühsam aufgebaut und erworben hat?

    Gott handelt anders. Er ist nicht der Vater, der sich an unseren menschlichen Vorstellungen des Vaterbildes orientiert, sondern ein Gott, der den Menschen vorlebt, wie Väter eigentlich zu sein hätten: Sein Sohn war verloren und ist wiedergefunden. Oder wie es die Bibel ausdrückt: Siehe der Sohn war tot und ist wieder lebendig. All die Trauer über den Verlust des Kindes und das Bangen über sein Schicksal hat ein Ende. Das gilt es zu feiern. Alles andere wird da plötzlich ganz unwichtig.

    Heute an Christi Himmelfahrt spiegelt sich ein Stück weit das wieder, was beim Gleichnis des verlorenen Sohnes angedeutet wird: Der Sohn kehrt zum Vater zurück und Gott freut sich über seinen Sohn. An Christi Himmelfahrt kehrt Jesus zu seinem himmlischen Vater zurück. Hier begegnen sich Himmel und Erde.

    Der doppelte Feiertag – Vatertag und Christi Himmelfahrt - zeigt mir, wie wichtig es ist, dass Väter (natürlich auch die Mütter) und Kinder in Kontakt bleiben. Ich persönlich bin dankbar für die Menschen, die Gott mir anvertraut hat – meine Kinder – und dass ich an ihnen und mit ihnen wachsen kann. So wie Jesus zu seinem himmlischen Vater zurückkehrt, ruft es mir aber auch in Erinnerung für meinen eigenen Vater (und die eigene Mutter) da zu sein.

    Wenn wir so liebevoll miteinander umgehen können wie Gott und sein Sohn Jesus es tun, dann werden wir schon hier auf Erden ein Stück Himmel erleben.

    Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Vatertag und ein gesegnetes Christi-Himmelfahrtsfest,
    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

     

  • add 17. Mai - Gedanken zum Sonntag Rogate

    Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66, 20)

    Liebe Gemeinde,

    am Sonntag Rogate (Latein für „fragen“ und „bitten“), dem fünften Sonntag nach Ostern, geht es um das Gebet. Über das Gebet gibt es viele verschiedene Meinungen. Die einen sind sich sicher, dass Gott das Gebet hört. Wir müssten Gott nur innig genug bitten, dann wird bestimmt das geschehen, wofür wir Gott gefragt haben. Andere sagen, das Gebet ist vor allem eine Meditationsübung. Ich blicke weg von mir und meinen Problemen und trage sie hin zu etwas anderem, das größer ist als ich. Ob Gott hört oder nicht wäre egal, es geht um das Formulieren der eigenen Sorgen und Nöte.

    Die Bibel ist sich sicher: Gott hört Gebete und nimmt wahr, was wir Gott sagen möchten. Gott hört uns und wendet sich voller Güte uns Menschen zu. Doch andererseits ist Gott keine „Wunscherfüllungsmaschine“, die wir nur richtig bedienen müssen, also richtig und ausdauernd genug beten müssten, schon klappt das und Gott beantwortet alles so wie wir das möchten.  

    Martin Luther gibt in seinem Katechismus eine Anleitung für das Gebet: Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung. Das Gebet beginnt also mit den Bitten an Gott. Dabei hat Martin Luther zwei verschiedene Ebenen im Blick: Die Bitten für einen selbst und die Bitten für andere. Niemand sollte immer nur für sich selbst bitten und die anderen Menschen vergessen, denn das wäre egoistisch. Niemand braucht nur für andere zu beten und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse hintenanzustellen. Gott nimmt beides wahr: Meine Wünsche und Bedürfnisse und die Wünsche und Bedürfnisse meiner Mitmenschen. Neben den Bitten sollen die Menschen den Dank und die Anbetung nicht vergessen. Dabei geht Martin Luther nicht davon aus, dass Gott ein bisschen eitel wäre. Die meisten Menschen helfen bereitwilliger, wenn sie wissen, dass das Gegenüber hinterher dankbar ist. Das hat Gott nicht nötig. Doch wer Gott dankt macht sich bewusst, dass die Hilfe, die uns Gott geschickt hat, kein Zufall war. Wer dankt weiß: Gott hat mir geholfen, Gott hat mich beschenkt.

    Mir persönlich fällt es an manchen Tagen leicht zu beten, an anderen Tagen fällt es mir jedoch schwer mich zu konzentrieren. Zum Glück hat uns Jesus das Vaterunser gegeben: Zuerst geht es darin um Gott: geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe. Jesus macht klar: Es geht nicht um unseren persönlichen Wunschzettel, den wir vor Gott ausbreiten. Es geht um Gott. Das Vaterunser schließt mit einem Bekenntnis ab: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen. Wieder geht es um Gott und um die Beziehung der Menschen zu Gott. Dazwischen geht es um die Menschen. Für Jesus ist wichtig, dass wir Menschen gemeinsam zu Gott beten. Er nennt Gott unseren Vater, nicht meinen. Es geht um unser tägliches Brot und um alles was wir Menschen brauchen, um gut leben zu können. Es geht um die gemeinsame Schuld, die wir vor Gott bringen, um trotz Schuld gut miteinander leben zu können. Es geht um das Böse, das in uns Menschen steckt und das uns vom rechten Kurs und von einem guten Leben abbringen kann.

    Gott hört unser Gebet und Gott wendet sich uns Menschen zu. Darin ist sich die Bibel sicher und davon bin auch ich überzeugt. Doch erhört uns Gott auch? Für mich bedeutet Erhörung mehr als die Erfüllung meiner Bitten. Gott hilft uns auf die Art und Weise, wie Gott es für richtig hält. Wenn wir Menschen uns ganz auf unsere Vorstellungen fixieren, wie wir denken, dass Gott uns zu helfen hätte, dann werden wir Gottes Handeln nicht wahrnehmen und von Gott enttäuscht sein. Wenn wir uns jedoch darauf einlassen, dass Gott auch ganz anders handeln kann, dann werden wir Gottes Wirken spüren. Dieterich Bonhoeffer schrieb einmal aus dem Gefängnis: Es gibt ein erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche. Wer sich darauf einlässt kann fröhlich beten und sich sicher sein, dass Gott hört, dass Gott sich uns zuwendet und dass Gott es gut machen wird.

    Bleiben Sie gesund und beten Sie!
    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 10. Mai - Gedanken zum Sonntag Kantate

    Der Sonntag Jubilate erinnert an Psalm 66: Jauchzet Gott alle Lande. Der Wochenspruch lautet:

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

     

    Liebe Gemeinde,

    was Versöhnung bedeutet kann man bei Nelson Mandela sehen. 27 Jahre seines Lebens saß der ehemalige Südafrikanische Präsident im Gefängnis auf Robben Island. Dort war Mandela wegen seines Kampfes gegen die Apartheid eingesperrt. Viele Gefängniswärter hielten die Gefangenen in Schach. Als Nelson Mandela frei war und den Friedensnobelpreis bekam, lud er viele Menschen zu einem festlichen Bankett ein. Hochrangige ausländische Gäste waren geladen, aber auch drei seiner ehemaligen Gefängniswärter. Es waren Männer, von denen Mandela trotz der äußeren Umstände stets mit Respekt behandelt wurde. Sie wurden von ihm persönlich begrüßt und als Ehrengäste vorgestellt.

    So ist Versöhnung: Das Alte war vergangen, alles ist neu geworden. Es geht nicht um Rache und um Vergeltung. Es geht auch nicht um Wiedergutmachung. Von Nelson Mandela kann man lernen: Versöhnung ist etwas Überraschendes. Mit so etwas hatte niemand gerechnet. Versöhnung macht Schluss mit alten Denken. Versöhnte Menschen verändern die Welt. 

    Gerne würde ich in diesen Tagen hören, dass der Streit, der manche Familie entzweit, nun beendet wird und Nachbarn, die sich nicht ausstehen können, nun ihre Konflikte beenden. Wie schöne wäre es, in der Zeitung zu lesen, dass in Syrien ein dauerhafter Friedensvertrag geschlossen werden würde und Frieden einziehen würde in der Ostukraine, im Jemen und in den vielen anderen Krisenregionen dieser Welt. In diesen Tagen ist es besonders wichtig, zusammenzuhalten, den Streit zu überwinden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das gilt für Familien und Nachbarn, aber auch für unser Land, für Europa und die ganze Welt.

    Doch in den Nachrichten liest man, dass Streit und Gewalt nun in manchen Familien eskalieren. Länder schotten sich voneinander ab und in vielen Kriegsregionen wird unvermindert gekämpft.

    Wir leiden an Rissen, Spaltungen und Spannungen in unserer Gesellschaft und in der Welt, aber auch in uns selbst: "Das Gute, das ich will, tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.", so fasst es Paulus an einer anderen Stelle zusammen (Römer 7,19). Es sind Risse, die mich schmerzen und die ich nicht loswerden kann.

    "Das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden!" Versöhnung ist etwas Überraschendes. Versöhnung ist, wenn der ehemalige Häftling seinen Gefängniswärtern zu seinem großen Fest einlädt. Versöhnung ist etwas, das die Verhältnisse auf den Kopf stellt.

    An Karfreitag und Ostern haben wir gefeiert, dass Gott die Verhältnisse auf den Kopf gestellt hat. Paulus ist sich sicher: Gott war in Christus. Gott selbst ist gestorben, um alles auszuräumen, was uns Menschen von Gott trennt. Am Karfreitag war Gott nicht weit weg, irgendwo über den Wolken im Himmel, um das Geschehen aus sicherer Distanz zu beobachten. Gott selbst ist für uns gestorben. Gott ist uns Menschen näher, als wir denken.

    Das Kreuz ist nicht das Zeichen eines grausamen Gottes, sondern ein Zeichen von Mitleiden und Solidarität. Das Kreuz steht für Barmherzigkeit und Mitgefühl. "Gott war in Christus", so schreibt es Paulus zwei Verse weiter (2. Korinther 5,19). Gott will Versöhnung mit uns. Wir werden nicht auf unser Versagen festgenagelt.

    An Ostern feiern wir, dass Gott alles neu macht. Tot ist tot, so waren und so sind die Menschen sich sicher. Da kann man nichts mehr machen. An Ostern feiern wir Menschen, dass das Leben stärker ist als der Tod, weil Gott stärker ist als der Tod. Gott hat Jesus zu neuem Leben erweckt. Das verändert uns. Wir Menschen Leben mit einer neuen Perspektive: Gott hat das letzte Wort, nicht der Tod, nicht die Krankheit, auch nicht das Corona-Virus.

    Gott hat das letzte Wort und Gott verändert uns. Gott hilft uns, dass wir als versöhnte Menschen leben. Gott macht uns neu, denn das Alte ist vergangen, siehe neues ist geworden. Für mich ist das ein guter Grund, um am Sonntag Jubilate zu jauchzen und fröhlich zu sein.

    Bleiben Sie fröhlich und gesund,
    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 3. Mai - Gedanken zum Sonntag Jubilate

    Der Sonntag Jubilate erinnert an Psalm 66: Jauchzet Gott alle Lande. Der Wochenspruch lautet:

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

     

    Liebe Gemeinde,

    was Versöhnung bedeutet kann man bei Nelson Mandela sehen. 27 Jahre seines Lebens saß der ehemalige Südafrikanische Präsident im Gefängnis auf Robben Island. Dort war Mandela wegen seines Kampfes gegen die Apartheid eingesperrt. Viele Gefängniswärter hielten die Gefangenen in Schach. Als Nelson Mandela frei war und den Friedensnobelpreis bekam, lud er viele Menschen zu einem festlichen Bankett ein. Hochrangige ausländische Gäste waren geladen, aber auch drei seiner ehemaligen Gefängniswärter. Es waren Männer, von denen Mandela trotz der äußeren Umstände stets mit Respekt behandelt wurde. Sie wurden von ihm persönlich begrüßt und als Ehrengäste vorgestellt.

    So ist Versöhnung: Das Alte war vergangen, alles ist neu geworden. Es geht nicht um Rache und um Vergeltung. Es geht auch nicht um Wiedergutmachung. Von Nelson Mandela kann man lernen: Versöhnung ist etwas Überraschendes. Mit so etwas hatte niemand gerechnet. Versöhnung macht Schluss mit alten Denken. Versöhnte Menschen verändern die Welt.

     

    Gerne würde ich in diesen Tagen hören, dass der Streit, der manche Familie entzweit, nun beendet wird und Nachbarn, die sich nicht ausstehen können, nun ihre Konflikte beenden. Wie schöne wäre es, in der Zeitung zu lesen, dass in Syrien ein dauerhafter Friedensvertrag geschlossen werden würde und Frieden einziehen würde in der Ostukraine, im Jemen und in den vielen anderen Krisenregionen dieser Welt. In diesen Tagen ist es besonders wichtig, zusammenzuhalten, den Streit zu überwinden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das gilt für Familien und Nachbarn, aber auch für unser Land, für Europa und die ganze Welt.

    Doch in den Nachrichten liest man, dass Streit und Gewalt nun in manchen Familien eskalieren. Länder schotten sich voneinander ab und in vielen Kriegsregionen wird unvermindert gekämpft.

    Wir leiden an Rissen, Spaltungen und Spannungen in unserer Gesellschaft und in der Welt, aber auch in uns selbst: "Das Gute, das ich will, tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.", so fasst es Paulus an einer anderen Stelle zusammen (Römer 7,19). Es sind Risse, die mich schmerzen und die ich nicht loswerden kann.

     

    "Das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden!" Versöhnung ist etwas Überraschendes. Versöhnung ist, wenn der ehemalige Häftling seinen Gefängniswärtern zu seinem großen Fest einlädt. Versöhnung ist etwas, das die Verhältnisse auf den Kopf stellt.

    An Karfreitag und Ostern haben wir gefeiert, dass Gott die Verhältnisse auf den Kopf gestellt hat. Paulus ist sich sicher: Gott war in Christus. Gott selbst ist gestorben, um alles auszuräumen, was uns Menschen von Gott trennt. Am Karfreitag war Gott nicht weit weg, irgendwo über den Wolken im Himmel, um das Geschehen aus sicherer Distanz zu beobachten. Gott selbst ist für uns gestorben. Gott ist uns Menschen näher, als wir denken.

    Das Kreuz ist nicht das Zeichen eines grausamen Gottes, sondern ein Zeichen von Mitleiden und Solidarität. Das Kreuz steht für Barmherzigkeit und Mitgefühl. "Gott war in Christus", so schreibt es Paulus zwei Verse weiter (2. Korinther 5,19). Gott will Versöhnung mit uns. Wir werden nicht auf unser Versagen festgenagelt.

     

    An Ostern feiern wir, dass Gott alles neu macht. Tot ist tot, so waren und so sind die Menschen sich sicher. Da kann man nichts mehr machen. An Ostern feiern wir Menschen, dass das Leben stärker ist als der Tod, weil Gott stärker ist als der Tod. Gott hat Jesus zu neuem Leben erweckt. Das verändert uns. Wir Menschen Leben mit einer neuen Perspektive: Gott hat das letzte Wort, nicht der Tod, nicht die Krankheit, auch nicht das Corona-Virus.

    Gott hat das letzte Wort und Gott verändert uns. Gott hilft uns, dass wir als versöhnte Menschen leben. Gott macht uns neu, denn das Alte ist vergangen, siehe neues ist geworden. Für mich ist das ein guter Grund, um am Sonntag Jubilate zu jauchzen und fröhlich zu sein.

     

    Bleiben Sie fröhlich und gesund,

    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 26. April - Gedanken zu Miserikordias Domini

    Liebe Schafherde!

    Liebe Leserinnen und Leser, Sie brauchen keine Angst zu haben, dass der Pfarrer Sie heute provozieren oder Sie gar mit Tiernamen beleidigen möchte. Niemand möchte als Schaf bezeichnet werden, denn dummes Schaf, oder blödes Schaf sind gängige Beleidigungen. Ich rede Sie nur so an, wie auch Jesus Sie nennt: Jesus nennt die Menschen „meine Schafe“.

    Das erfahren wir aus dem Wochenspruch für den Sonntag Misericordias Domini, dem zweiten Sonntag nach Ostern: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11.27-28)

    Das Bild des Hirten wird in der Bibel häufiger verwendet. Der Hirte war damals häufiger Beruf: Abraham war ein Nomade, also ein Hirte, der mit seinen Herden durch das Land gezogen ist. Auch Mose war ein Hirte, bevor er von Gott berufen wurde, um das Volk Israel zu befreien. Selbst der große König David war ein Hirte, bevor er zum König von Israel gesalbt wurde.

    Ein Hirte lebte und arbeitete mit seinen Schafen. Er ging ihnen voran, er suchte für sie eine gute Weide und eine saubere Wasserstelle. Er suchte die Weide nach giftigen Pflanzen ab und entfernte sie, bevor die Schafe davon fressen konnten. Ein Hirte lief seiner Herde hinterher und sammelte die Schafe ein, die sprichwörtlich auf der Strecke blieben: Kleine Lämmer, aber auch Schafe mit Verletzungen. Und er musste seine Herde gegen wilde Tiere verteidigen.

    Jesus spricht von sich als der gute Hirte. Der gute Hirte ist das Gegenteil des schlechten Hirten. Dieser hat kein großes Interesse an den Tieren. Meist gehören sie ihm gar nicht. Er ist angestellt und er hat weder einen persönlichen Nutzen noch einen persönlichen Schaden wenn es der Herde besser oder schlechter geht. Wenn Gefahr droht bringt er zuerst sich selbst in Sicherheit. Jesus sagt jedoch: Ich bin der gute Hirte. Ich bin anders. Auf mich ist Verlass. Egal was kommt: Ich bin bei meiner Herde und stehe treu an ihrer Seite.

    Ich habe mir sagen lassen, dass Schafe sehr gut Stimmen erkennen können. Selbst der beste Stimmenimitator kann sie nicht täuschen. Wenn zwei große Herden auf derselben Wiese weiden und sich zu einer großen Herde vermischt haben, müssen sich die Hirten nur an zwei verschiedenen Enden der Weide stellen und die Schafe zu sich zu rufen. Die Schafe erkennen ihren Hirten und kommen zu ihm gelaufen.

    Genauso ist es mit dem Hirten, der seine Schafe kennt. Ganz ehrlich, können sie Schafe auseinanderhalten? Meine Eltern hatten vor vielen Jahren einige Schafe um die Baumwiese hinter dem Haus nicht mähen zu müssen. Ich konnte die Tiere beim besten Willen nicht auseinanderhalten, denn für mich sahen alle gleich aus. Meine Schwägerin versorgte die Schafe und eines hatte sie sogar mit der Flasche aufgezogen. Sie kannte ihre Schafe sehr gut. Ein guter Hirte kennt und erkennt seine Tiere. Er verbringt viel Zeit mit ihnen und beobachtet seine Tiere sehr genau. Das finde ich ein schönes Bild für das Verhältnis von Christen und Christus. Jesus, der gute Hirte, verbringt viel Zeit mit seinen Schafen. Er wendet sich ihnen zu und sorgt für sie.

    Aber erkennen wir als seine Schafe Jesu Stimme? Erkennen Sie die Stimme Gottes zwischen all den Stimmen, die im Alltag auf Sie einprasseln? Es ist unsere Aufgabe genau hinzuhören, wo Jesus zu uns spricht.

    Ein Kriterium ist die Liebe und die Fürsorge für andere Menschen: Achtet aufeinander, gerade jetzt während der Corona-Pandemie. Schützt die Armen und Schwachen der Gesellschaft.

    Ein weiteres Kriterium ist, dass ein Leben unter der Führung Gottes ein Ziel hat: Die Schafe folgen ihrem Hirten und wir Christus folgen Jesus. Jesus bringt uns zu einem guten Ziel. Er gibt uns das ewige Leben. Das heißt, dass wir einmal für immer bei Gott sind und dass wir sicher sein können, dass uns nichts von Gott trennen könnte. Im Vertrauen auf Jesus Christus können Christinnen und Christen gut leben. Im Vertrauen auf Jesus Christus können Christinnen und Christinnen auch einmal getröstet sterben.

    Gott schenkt uns das Leben. Seit Ostern wissen wir, dass dieses Leben stärker ist als der Tod. Nach dem Tod werden wir bei Gott weiterleben.

    Daher: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben.

     

    Folgen Sie Christus und bleiben Sie gesund,

    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 19. April - Gedanken zu Quasimodogeniti

    Der Predigttext für diesen Sonntag ist aus Jesaja 40:

    Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

     

    Der Prophet Jesaja richtet sich an die Israeliten. Das Volk Israel wurde von den Babyloniern erobert, gefangengenommen und weggeführt. Dabei waren sie sich doch immer sicher gewesen: „Gott steht auf unserer Seite, wir haben nichts zu befürchten!“ Doch die Babylonier hatten die größere Armee und deshalb den Krieg gewonnen. Nun mussten die Israeliten sich in einem neuen Land zurechtfinden. Sie waren gestrauchelt und hingefallen. Und sie mussten innerlich verarbeiten, dass Gott ihnen anscheinend nicht geholfen hatte.

     

    Ein bisschen erinnert mich die Lage der Israeliten an uns heute: Es gibt ein kleines Virus, das plötzlich alles bestimmt. Es lähmt unseren Alltag, es bremst unsere Wirtschaft aus, die Großeltern im Seniorenheim dürfen keine Besuche mehr empfangen und Gottesdienste können nur noch zu Hause gefeiert werden. Manche kommen ins Straucheln und fallen hin: Weil sie krank werden, weil sie einsam sind, weil ihnen alles über den Kopf wächst, oder weil sie sich Sorgen machen, wie sie morgen ihre Rechnungen bezahlen können.

     

    Woher bekomme ich Kraft und Mut, um nach vorne zu blicken? Was gibt mir Halt und wie halte ich durch? Wie bleibe ich an Leib und Seele gesund und habe auch morgen noch genug zum Leben? Das sind die drängenden Fragen in diesen Tagen.

     

    Ein Satz, der mich in diesem Bibeltext anspricht ist: Gott gibt den Müden Kraft und Stärke den Unvermögenden. Auch in den schwierigen Tagen und in den Herausforderungen weiß ich, dass ich von Gott getragen werde und dass Gott mich hält. Das haben auch die Menschen damals in Israel erlebt. Sie haben erfahren: Gott ist nicht weit weg. Gott hat ihnen geholfen mit dieser Krise umzugehen und sich weiterzuentwickeln. Am Ende sind sie in ihr Heimatland zurückgekehrt.

    In diesen Tagen zeigt sich, ob uns unser Glaube tragen und halten kann. Gott ist nah bei uns und Gott begleitet uns auf Schritt und Tritt durch diese Tage und Wochen. Gott zeigt uns einen Weg, den wir gehen können. Gott ist da, nicht nur dann, wenn es uns gut geht und wir ein sorgenfreies Leben führen, sondern an allen Tagen unseres Lebens.

     

    Außerdem fasziniert mich das Bild des Adlers: Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.

     

    In Israel gab es damals keine Adler, daher müsste man das Wort eigentlich mit Geier-Flügeln übersetzen. Die Geier sind große und beeindruckende Tiere. Vor allem sind sie exzellente Flieger. Mit einer nachgewiesenen Flughöhe von bis zu 11km sind Geier die Vögel, die am höchsten fliegen können. Sie nutzen die Thermik mit den Aufwinden aus und lassen sich nach oben tragen. Sie fliegen ohne dabei müde oder matt zu werden.

     

    Gott verspricht uns: „Ich trage dich. Ich werde dabei nicht matt oder müde.“ Gott ist nicht überfordert mit den Krisen und Lebensumständen seiner Menschen. Gott behält den Überblick und wird uns halten und tragen.

     

    Als Christ weiß ich, dass Gott Jesus aus dem Tod auferweckt hat und alles, was uns Menschen lähmt, überwunden hat. Daher vertraue ich darauf, dass Gott uns tragen wird und uns einen Weg zeigt, wie wir in diesen Tagen im Vertrauen auf Jesus Christus leben können.

     

    Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund,

    Ihr Thomas Breitkreuz

  • add 19. April - Prädikantin Marion Hohenhorst zum Sonnntag Quasimodogeniti

    Liebe Gemeinde,                                                                                                     19. April 2020

    heute am Sonntag Quasimodogeniti, 1. Sonntag nach Ostern, hätte ich den Gottesdienst mit Ihnen gefeiert. Aber die besondere Lebenssituation, bedingt durch die Corona Pandemie, in der wir uns zur Zeit befinden und schon seit mehr als fünf Wochen leben, bestimmt unseren Alltag, bestimmt unser aller Leben. Alles was sonst selbstverständlich war und zu unserem Leben dazu gehörte, auch die sonntäglichen Gottesdienste mit der Gemeinde zusammen, sind in dieser Zeit leider nicht möglich, alles ist eingeschränkt zum Schutz für uns alle. Jedoch dürfen wir die Hoffnung nicht verlieren. Wir wissen, in der Zeit der Corona Krise ist alles anders, aber wir hoffen „alles wird wieder gut“. So spricht auch der Schreiber des 1.  Petrusbriefes im 1. Kapitel im Wochenspruch für den 1. Sonntag nach Ostern zu uns: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Dieser Satz ist auch der Anfang des Predigttextes für den Sonntag nach Ostern: 1. Petrus 1, 3-9. Dieser Hoffnungsgedanke, Jesus Christus, der Auferstandene, der Lebendige ist Herr über diese Welt und über unser Leben, dieser Gedanke macht uns stark und gibt uns Mut für die jetzige und für kommende Zeit. Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben viel Hoffnung, Mut und Durchhaltevermögen, damit Sie diese außergewöhnliche Zeit gut überstehen. Bleiben Sie behütet, bleiben Sie gesund und achtsam mit sich und Ihren Mitmenschen.

    In inniger Verbundenheit wollen wir gemeinsam beten:

    „Herr Jesus Christus, du lebst – und mit dir auch wir. Danke für diese große Hoffnung über unserem Leben. Hilf uns, dass sie auch in unseren Alltag immer wieder durchbricht und durchscheint. Dass die dunklen Wolken von Zweifel, Pessimismus und Niedergeschlagenheit nicht die Oberhand gewinnen. Mach uns zu Menschen, die von Ostern her leben.

    Erfülle uns mit deinem guten Heiligen Geist, weil du versprochen hast, uns nicht alleine zurückzulassen. Herr Jesus Christus, wir beten für die Kranken in unserem Umfeld und unserer Gemeinde, für die Zweifelnden und die Trauernden. Sei du ihnen nahe – lass sie erfahren, dass du lebst und um sie weißt. Stärke und tröste sie.

    Herr Jesus Christus, wir denken an Menschen voller Sorgen und ohne Hoffnung – für sich selbst, für die Familie, ihre Beziehung, für ihre Kinder, für ihre Situation am Arbeitsplatz. Du hast unendliche Möglichkeiten – du kannst Herzen und Situationen verändern auch dann, wenn wir keine Möglichkeiten mehr sehen.

    Herr Jesus Christus, wir denken an diese Welt. Wir denken an all die Nachrichten, die uns erreichen, uns überhäufen und uns unruhig und voller Sorgen und ratlos zurücklassen. Strahle du hinein in die Krisensituationen bei uns und weltweit mit deinem Osterlicht, deiner Osterfreude, deiner Osterbotschaft und lass viele Osterzeugen bis in die dunkelsten Ecken dieser Erde diese gute Botschaft bezeugen. Amen.“

    Seien Sie herzlich gegrüßt,
    Marion Hohenhorst, Prädikantin

  • add 12. April - Gedanken zu Ostern

    Gedanken zu Ostern:

    Wo einer im Dunkeln nicht verstummt,
    sondern das Lied der Hoffnung summt,
    um Totenstille zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden.
                                   Reinhard Bäcker

     

    Viele Menschen singen gerne unter der Dusche. Andere auch gerne mal laut in der Kirche oder in einem Chor. Doch welches Lied stimmt man angesichts der Corona-Pandemie an? Vielleicht fröhliche Lieder, die gegen die Sorgen und Nöte ansingen und uns für einen Moment vergessen lassen, was um uns herum geschieht. Andere singen lieber traurige oder nachdenkliche Lieder. Welches Lied haben Sie auf den Lippen? Ein Trost-, ein Trotz-, ein Trauer-, oder ein Hoffnungslied?

    Oder verstummen Sie gerade: In der Welt geht es schlimm zu, gesundheitlich und wirtschaftlich. Als ich diese Zeilen geschrieben habe lese ich, dass die USA mit bis zu 240 000 Toten rechnen. In Deutschland haben 470 000 Betriebe Kurzarbeit angemeldet und die Börsenkurse brechen ein. Wenn es einen so trifft, gesundheitlich, wirtschaftlich oder gar beides, dann singt man nicht mehr. Dann stöhnt man höchstens noch. Niemand kann gerade sagen wie es weitergehen wird.

     

    So ähnlich stelle ich mir die Situation damals vor knapp 2000 Jahren bei den Jüngern Jesu vor. Seine Freunde hatten erlebt, wie Jesus gefangen genommen wurde und gekreuzigt wurde. Mit Jesus ist auch alles gestorben, woran die Jünger geglaubt und worauf sie gehofft hatten. Das alles hatte keinen Sinn mehr. Da war nur noch Schweigen oder Klagen.

     Doch dann haben die Freundinnen und Freunde Jesu erlebt, dass Gott stärker ist als der Tod. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Gott hat Jesus neues Leben geschenkt. Zuerst konnten sie es nicht so recht glauben. Zu erdrückend war die Erfahrung des Leides und des Todes. Doch immer wieder haben sie erlebt, wie Jesus ihnen begegnet, wie Jesus zu ihnen spricht, wie er mit ihnen den Weg nach Emmaus geht und wie er trotz allem bei ihnen ist. Erklären konnten sie es sich nicht. Wie soll das zugehen, dass ein Mensch von den Toten auferweckt wird. Sie konnten nur staunen: Jesus lebt. Die Liebe und die Hoffnung sind stärker als Verzweiflung, Resignation und Tod. Denn Gott ist stärker als der Tod.

    Da beginnen die Jünger wieder zu summen und leise zu singen. Zuerst zaghaft und zögerlich. Dann immer kräftiger: „Jesus lebt! Gott hat dem Tode die Macht genommen…“

    Nicht die Gewalt hat das letzte Wort, nicht das Verbrechen, nicht der Tod. Die Melodie geht von einem zum anderen. Das Lied zaubert Hoffnung in den Raum. Die Melodie verbreitet Zuversicht. Das Lied will mitgesungen werden. Es stiftet Gemeinschaft.

    In diesem Jahr kann ich die Stimmung des Gründonnerstags und des Karfreitags damals vor fast 2000 Jahren gut nachvollziehen. Wir sind umgeben von Unsicherheit, dennoch feiern wir Ostern. Keiner weiß so recht, wie es weitergehen soll, doch der Engel sagt: Jesus ist auferstanden. Er lebt! Er hat dem Tod und allem was dir Angst macht die Macht genommen. Gott hat das letzte Wort, nicht die Krise. Jesus ist von den Toten auferstanden. Er ist Sieger, nicht die Krankheit.

    Ich wünsche Ihnen an Ostern, dass Sie einstimmen und mitsingen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie spüren, wie das Osterlied sie verändert.

    Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und bleiben Sie gesund,
    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

     

    1. Wo einer dem andern neu vertraut
    und mit ihm eine Brücke baut,
    um Hass und Feindschaft zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden.

    2. Wo einer am Ende nicht verzagt
    und einen neuen Anfang wagt,
    um Leid und Trauer zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden.

    Kehrvers
    Wo einer im Dunkeln nicht verstummt,
    sondern das Lied der Hoffnung summt,
    um Totenstille zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden. 

    3. Wo einer das Unrecht beim Namen nennt
    und sich zu seiner Schuld bekennt,
    um das Vergessen zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden.

    4. Wo einer das Unbequeme wagt
    und offen seine Meinung sagt,
    um Schein und Lüge zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden.

    Kehrvers
    Wo einer im Dunkeln nicht verstummt,
    sondern das Lied der Hoffnung summt,
    um Totenstille zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden. 

    5. Wo einer gegen die Strömung schwimmt
    und fremde Lasten auf sich nimmt,
    um Not und Leiden zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden.

    6. Wo einer dich aus der Trägheit weckt
    und einen Weg mit dir entdeckt,
    um hohe Mauern zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden.

    Kehrvers

    Wo einer im Dunkeln nicht verstummt,
    sondern das Lied der Hoffnung summt,
    um Totenstille zu überwinden,
    da kannst du Osterspuren finden.

    Evangelisches Gesangbuch Württemberg No 551; Text: Reinhard Bäcker 1986

  • add Hausabendmahl am Gründonnerstag und am Karfreitag

    Vorwort

    Liebe Brüder und Schwestern,

    in diesen Tagen gedenken wir des Leidens und Sterbens Jesu Christi, bevor am Ostersonntag dann alle Glocken zu seiner Auferstehung läuten. Die Karwoche ist eine Zeit der Besinnung. Die Botschaft von der rechtfertigenden Gnade wird uns in normalen Jahren sinnfällig durch die Feier des Heiligen Abendmahls, durch Essen und Trinken an seinem Tisch veranschaulicht. In diesem Jahr sind die gottesdienstlichen Feiern in der Gemeinde nicht möglich, die Botschaft wird uns auf verschiedenen Kanälen verkündigt, schriftlich, über den Äther, im Internet. Angesichts dieser Ausnahmesituation hat der Oberkirchenrat beschlossen, den Familien in diesem Jahr am Gründonnerstag und Karfreitag eine Hausabendmahlsfeier zu ermöglichen.

    Wir übersenden Ihnen anliegende Liturgie, die sich an die Ordnung des Hausabendmahls anschließt und vor allem darauf Rücksicht nimmt, dass auch Kinder mitfeiern können, zu gesegnetem Gebrauch

    Bleiben Sie behütet,

    Ihr Prof. Dr. Ulrich Heckel, Oberkirchenrat der Ev. Landeskirche in Württemberg

     

     

    Hinweise zur Vorbereitung

    Schon die Vorbereitung der Feier im Familienkreis kann ein geistliches Geschehen sein:

    Mit Kindern sollte man gemeinsam vorher besprechen, was das Abendmahl, was wir tun, wenn wir miteinander feiern und was Gott tut, wenn wir das Abendmahl bekommen. Überlegen Sie miteinander:

    • Welche der vorgeschlagenen Lieder sind bekannt?
    • Können wir die Lieder gemeinsam singen?
    • Haben wir Gesangbücher?
    • Spielt jemand ein Instrument und kann uns begleiten?
    • Wollen wir die Lieder lieber gemeinsam lesen?
    • Wie gestalten wir den Abendmahlstisch
    • Haben wir eine schöne Tischdecke?
    • Welchen Kelch verwenden wir?
    • Woraus trinken wir (es sollte kein Gemeinschaftskelch verwendet werden, sondern soviele – möglichst gleiche, möglichst schöne -- Trinkgefässe vorhanden sein wie Familienmitglieder.
    • Haben wir eine Bibel, aus der wir lesen?
    • Soll eine Kerze angezündet werden (am Karfreitag üblicherweise nicht)?.
    • Sollen Blumen auf den Abendmahlstisch (am Karfreitag üblicherweise ebenfalls nicht)?
    • Wenn möglich, kann ein Kreuz aufgestellt oder in die Mitte gelegt werden (vorbereitend mit den Kindern basteln?).
    • Wie sitzen wir? Um den Tisch? Im Halbkreis?

    Gaben:

    • Wenn Kinder mitfeiern, sollte roter Traubensaft statt Wein verwendet werden.
    • Das Brot sollte in mundgerechten Stücken vorgeschnitten werden, auch hier so viele Stücke vorbereiten wie Familienmitglieder mitfeiern. Am besten eignet sich ein festes Mischbrot, Backoblaten bitte nur, wenn sie keinen Firmenaufdruck haben.
    • Der große Kelch sollte ebenso wie der Brotteller mit einer weißen Serviette oder einem Tuch abgedeckt werden.

    Wie feiern wir?

    • Vor Beginn sollte abgesprochen werden, wer welche Aufgabe übernimmt und wie der Empfang von Brot und Saft geschehen soll:
    • Am besten reicht eine Person den anderen den Brotteller, die Gläser können ebenso auf einem Tablett angereicht werden, jeder und jede nimmt sich eines. Danach wieder auf das Tablett stellen.
    • Alternativ kann man den Brotteller und das Tablett auch von Hand zu Hand weitergeben: Dann gibt der Leiter / die Leiterin zuerst Teller und Tablett an eine Person, diese bietet dem Leiter / die Leiterin die Gabe mit Spendewort an, reicht dann Teller und Tablett dem / der Nächsten weiter und empfängt die Gabe von ihm oder ihr. So haben am Ende alle Brot und Saft / Wein gespendet und erhalten.

    Liturgie

    (L: die Leiterin oder der Leiter der Feier; A: alle)

    Eingangswort

     ggf. kann ein Mitglied der Tischgemeinschaft eine Kerze anzünden.

     L: Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

     A: Amen

    Einleitung und Tischbereitung

    L: ]esus Christus ist das Licht der Welt.

    Ein Mitglied der Tischgemeinschaft stellt den Teller mit Brot und den Kelch auf den Tisch.

    L: ]esus Christus hat mit vielen Menschen gegessen und getrunken. Er hat gesagt „Wo Zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Wir feiern heute miteinander das Heilige Abendmahl. Jesus Christus ist selbst mitten uns in unserer Familie.

    Psalm 23

    Der Herr ist mein Hirte,
    mir wird nichts mangeln.
    Er weidet mich auf einer grünen Aue
    und führet mich zum frischen Wasser.
    Er erquicket meine Seele.
    Er führet mich auf rechter Straße
    um seines Namens willen.
    Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
    fürchte ich kein Unglück;
    denn du bist bei mir,
    dein Stecken und Stab trösten mich.
    Du bereitest vor mir einen Tisch
    im Angesicht meiner Feinde.
    Du salbest mein Haupt mit Öl
    und schenkest mir voll ein.
    Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
    und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

    kein Ehr sei dem Vater

    Eingangsgebet

    Jesus, du bist bei uns.
    Darüber freuen wir uns.
    Wenn du bei uns bist, tut es uns gut.
    Amen.

    Oder:

    Jesus, du Quelle des Lebens,
    du rufst die Mühseligen und Beladenen.
    Erfrische auch uns durch den Strom der Kraft und der Liebe,
    der von dir ausgeht alle Zeit, gerade auch in diesen Tagen.
    Amen.

    Stilles Gebet

    L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

    Gebetsstille

    L: Herr, du hörst uns, wenn wir zu dir beten. Dafür danken wir dir. Amen.

    Schriftlesung

    Gründonnerstag: Matthäus 26,17-19

    Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?
    Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern.
    Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.

    Karfreitag: 2. Korinther 5, 17-21

    Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
    Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt.
    Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
    So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
    Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

    Ansprache (oder ein Gespräch über einen biblischen Text, z.B. den in der Lesung gehörten)

    Lied

    EG 91: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenkenEG 97: Holz auf Jesu SchulterEG 574: Nichts soll dich Ängsten

    Beichte

    L: Herr, du kennst uns weißt, wie wir sind.
    Darum bitten wir dich:
    Nimm uns so an wie wir sind,
    mit unseren großen und kleinen Fehlern und Schwächen.
    Nimm alles weg, was zwischen uns steht:
    Ärger, Streit, Gedankenlosigkeit und Bosheit.
    Wir danken dir, dass du uns vergibst.
    Mach uns bereit, auch anderen zu vergeben

    Oder:

    Lieber Vater im Himmel,
    manchmal können wir unsere Schuld nicht offen eingestehen und um Vergebung bitten.
    Manchmal versuchen wir, uns aus allem herauszureden,
    manchmal verdrehen wir lieber Unrecht in Recht als zuzugeben, dass wir etwas falsch gemacht haben.
    Deshalb bleibt die Schuld oft an uns haften und wir erfahren nicht, wie gut Vergebung tut.
    Herr, gib uns Mut, unser Versagen einzugestehen und um Verzeihung zu bitten.

    L: In der Stille können wir dir sagen, was uns besonders beschwert.

    Gebetsstille

    L: Herr, vergib uns unsere Schuld.

    Wenn ihr diese Bitte mit mir teilt, dann stimmt mit mir ein in den Ruf: Herr, erbarme dich.

    A: Herr, erbarme dich.

    Zuspruch der Vergebung

    L: Euch geschieht, was ihr erbeten habt.
    Der barmherzige Gott hat sich über euch erbarmt und vergibt euch all eure Schuld.
    Was gewesen ist, soll euch nicht mehr belasten.
    Was kommt, soll euch nicht schrecken.
    Gottes Güte ist eures Lebens Freude und Kraft. Amen

    ggf. Liedstrophe: z.B. EG 576 Meine Hoffnung und meine Freude

    Abendmahlsgebet

    Wir bitten dich, Gott: Erfülle uns mit deinem Geist.
    Segne diese Gaben, damit sie uns zum Leben und zum Heil dienen.
    Segne unsere Gemeinschaft, lass deine Liebe unter uns spürbar werden.
    Sei bei allen, die in diesen Tagen den Tod und die Auferstehung deines Sohnes feiern und stärke sie in dieser schwierigen Zeit.
    Steh den Kranken bei und sei bei denen, die sie pflegen und um ihre Heilung kämpfen.
    Hilf uns, aufeinander acht zu haben und an der Hoffnung festzuhalten.

    Einsetzungsworte

    Der Leiter/die Leiterin der Feier tritt an den Tisch und nimmt die Abdeckung von Brot und Kelch. Er/sie nimmt den Teller mit dem Brot uns spricht:

    Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, und mit seinen Jüngern zu Tische saß, nahm des Brot, sagte Dank und brach’s, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis.

    Desgleichen nach dem Mahl nahm er den Kelch, sagte Dank, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus, das ist mein Blut des Neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das tut zu meinem Gedächtnis.

    Austeilung

    L: Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut.

     (Brot und Wein / Saft werden in der Form, die vorher besprochen wurde, ausgeteilt) Wer seinem Nachbarn / Nachbarin das Brot reicht, sagt dazu:

    Nimm und iss vom Brot des Lebens.

    Wer seinem Nachbarn / Nachbarin den Kelch reicht, sagt dazu:

    Nimm und trink vom Kelch des Heils.

    Entlasswort

    wenn alle gegessen und getrunken haben 

    L: Christus spricht: Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt. Dank sei Dir, Jesus Christus.

    Dankgebet

    A: Lobe den Herrn, meine Seele,
    und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
    Lobe den Herrn, meine Seele,
    und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
    der dir alle deine Sünde vergibt
    und heilet alle deine Gebrechen,
    der dein Leben vom Verderben erlöst,
    der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

    L: Gemeinsam beten wir:

    A: Vater unser im Himmel,
    geheiligt werde dein Name.
    Dein Reich komme.
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld,
    wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung
    sondern erlöse uns von dem Bösen.
    Denn dein ist das Reich und die Kraft
    Und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
    Amen.

    Segenslied

    EG 170 Komm, Herr, segne uns
    oder

    EG 171 Bewahre uns, Gott

    Segen

    L: Der Herr segne uns und behüte uns
    Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
    Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.

    A: Amen.

  • add 5. April - Palmsonntag

    Andacht für Sonntag Palmarum, 05. April 2020 - Vorschlag des OKR für häusliche Andachten

    Kirchenrat Dr. Frank Zeeb

     

     

    (L: Liturg, A: Alle, E1-E4 Einzelne)

    Der Vorschlag folgt weitgehend der Struktur des sonntäglichen Predigtgottesdienstes. Sie ist als Ganzes komponiert, dennoch können einzelne Teile ausgetauscht oder gelöscht werden. Das gemeinsame Gebet ist bewusst etwas breiter gefasst als das im Sonntagsgottesdienst der Fall ist, es kann auch ­ – vor allem das Fürbittgebet – durch eine Gebetsgemeinschaft ersetzt werden.

    Wenn in dieser Form gebetet werden soll, sollten entweder genügend Exemplare für die Hand der Teilnehmenden bereit liegen oder – wo die technische Möglichkeit besteht – eine Wandprojektion gemacht werden. Selbstverständlich kann man die Zahl der Lesenden auch anders aufteilen.

    Statt einer Lesepredigt teilen die Anwesenden ihre Gedanken miteinander nach einer Variante des bekannten „Bibel-Teilens“. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass ein Einzelner oder mehrere eigenständig Zeugnis ablegen.

    Die Lieder können selbstredend gegen andere ersetzt werden, es wurde darauf geachtet, möglichst bekannte Lieder vorzuschlagen. Auch ein dünner oder vielleicht nicht ganz tonsicherer Gesang vereint uns mit den himmlischen Chören – es ist aber auch nicht schlimm, wenn einmal nicht gesungen werden kann. Wo das technisch geht, kann man auch die Liedtitel einfach in Youtube eingeben und dann eine entsprechende Fassung verwenden, noch nicht alle Lieder sind in der Cantico-App.

    Der Oberkirchenrat wünscht allen Feiernden die Erfahrung der Anwesenheit unseres Gottes, der uns geleitet in guten und schweren Tagen und ganz bestimmt stärker ist als alle Mächte und Viren dieser Welt.

     

    Liturgischer Beginn

    L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
    A: Amen.
    L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
    A: Der Himmel und Erde gemacht hat.

    (Entzünden einer Kerze)

    Begrüßung

     L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der letzte Sonntag der Passionszeit, der Palmsonntag. Er hat seinen Namen davon, dass beim Einzug Jesu in Jerusalem die Menschen Palmzweige auf seinen Weg streuten.

     So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“

    Lied: EG 324,1-7 Ich singe dir mit Herz und Mund

    Psalm 118 / EG 747 (auf das Ehr sei dem Vater wird auf dem Höhepunkt der Passionszeit verzichtet)

    Eingangsgebet: für zwei Erwachsene (nach reformiert-info.de)

    E 1: Du, Sohn Davids,
    unser Befreier,
    manchmal wünschten wir,
    du kämest in sichtbarer Hoheit daher
    und würdest auf einen Schlag
    alles Elend beenden.

    E 2: Aber du kommst auf einem Esel geritten,
    in der Gestalt eines machtlosen Menschen,
    und dein Weg führt
    in Leiden und Sterben.

    E1: Du enttäuschst uns,
    wenn wir von dir
    göttlichen Zauber erwarten.

    E2: Aber du tröstest alle,
    die auf eine neue Welt hoffen,
    denn die Macht deiner Liebe
    verschafft dir den Sieg
    über alles Böse.

    E1: Mach uns von falschen Erwartungen frei,
    und lehre uns,
    dir mit dem Mut der Demut zu folgen. Amen

    Stilles Gebet

    L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

    (Gebetsstille)

    L: Herr, du hörst unser Gebet, darum kommen wir zu dir.


    Lied: EG 91: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken.
    oder (mit älteren Kindern) EG 314: Jesus zieht in Jerusalem ein

    Predigttext: Markus 14,3-9

    (Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)

    Bibel Teilen in sieben Schritten:

    1. Wir öffnen uns für Gott in Gebet und Lied:
      Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn.

    2. Eine/r liest den Predigttext
      „Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.“

    1. Verweilen und Vertiefen
      Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen.

    2. Schweigen (ca. 3-5 Minuten)
      Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt.

    3. Mitteilen
      Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text bei den Schwestern und Brüdern ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert.

    4. Austauschen

    Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen hilfreich sein:

    -        Versuchen Sie sich, in die Frau hineinzuversetzen: Warum tut sie das?

    -        Ist es angemessen, den Dienst für Jesus und den Dienst an den Armen gegeneinander auszuspielen?

    -        300 Silbergroschen sind eine Summe, von dem eine Familie ein Jahr leben kann. Ist der Vorwurf der Verschwendung angesichts dieser Summe nicht doch angemessen?

    -        Die Geschichte bleibt „in der ganzen Welt“ im Gedächtnis. Was will sie uns in der gegenwärtigen Situation sagen? Für unseren Glauben? Hat es eine wirtschaftlich-ökonomische Bedeutung?

    -        Wie stellen wir uns die „zukünftige Stadt“ vor?

    -        Jesus als König, der mit teurem Öl gesalbt wird – Jesus, der leidende Gottesknecht. Welches Jesusbild liegt uns heute näher? Warum? Was kann uns das jeweils andere Bild sagen, um unsere Beziehung zu Jesus zu stärken?

    1. Lied: z.B. EG 70,1-4 Wie schön leuchtet der Morgenstern

    oder EG 9: Nun jauchzet all ihr Frommen
    oder EG 11,1-5: Wie soll ich dich empfangen

     

    Alternativ: Geschichte für Kinder

    Jesus ist mit seinen Freunden unterwegs. Er möchte nach Jerusalem, denn in den nächsten Tagen ist ein großes Fest. Das möchte er mit seinen Jüngern feiern. Bevor sie in die Stadt kommen, bleibt Jesus stehen. Er sagt zu seinen Freunden: „Geht voraus in das nächste Dorf. Dort seht ihr einen Esel, der an einem kleinen Baum festgebunden ist. Auf diesem Esel ist noch nie jemand auf dem Esel geritten.

    Den bringt ihr mir. Genau auf diesem Esel will ich in die Stadt Jerusalem reiten. Die Jünger wundern sich über den Auftrag und fragen nach: „Aber Jesus, wir können doch nicht einfach einem Fremden seinen Esel wegnehmen“. Jesus schaut sie an. „Wenn euch der Besitzer des Esels fragt, warum ihr das Tier losbindet und einfach so mitnehmt, dann sagt ihm einfach: der Herr braucht ihn.“

    Also gehen zwei von den Jüngern in das Dorf und tatsächlich: Alles ist so, wie Jesus es ihnen gesagt hat. Sie fangen an, den Esel loszubinden. Aber da taucht natürlich sofort der Besitzer auf und fragt entrüstet: „Was soll das? Warum bindet ihr einfach meinen Esel los?” Die Jünger erinnern sich und antworten: „Wir gehören zu Jesus. Der hat uns gesagt, wir sollen das machen, denn er ihn.” Als der Mann das hört, ist er einverstanden und hilft ihnen sogar, den Esel vom Baum loszubinden.

    Als sie zurückkommen zu den anderen, sind die schon weitergewandert und schon am Stadttor angekommen. Jesus setzte sich sofort auf den Esel. Der ist auch gar nicht störrisch und so gehen sie durch das Tor in die Stadt hinein. „Wie wenn ein König die Stadt betritt“, denken die Jünger. Jesus reitet auf dem Esel voraus und seine Freunde ziehen wie so ein Gefolge hinter ihm her.

    Mann, ist da viel los auf der Straße.  So viele Menschen sind schon zum Fest in der Stadt. Sie stehen am Straßenrand und noch viel mehr kommen ihm entgegen. Sie erinnern sich an die alte Geschichte. Gott selber wird nach Jerusalem kommen und er reitet auf einem Esel. Wenn das plötzlich wahr wäre! Dann wäre ja alles Leid zu Ende. Dann gäbe es keine Krankheit mehr, die alle bedroht. Niemand müsste mehr sterben. Wer jetzt Angst um seine Arbeit, wer unterdrückt ist, wer fliehen musste — alle wären glücklich. Das spricht sich herum. Eine große Freude erfasst die Leute. Sie freuen sich so, dass sie von den Bäumen Zweige abbrachen. Mit denen winken sie ihm zu. Das macht man so, wenn ein König in die Stadt einzieht. Aber sie wissen auch: Jesus ist kein normaler König. Deshalb kommt er nicht auf einem großen Pferd und hat keine Krone und keine Waffen. Jesus kommt im Namen Gottes. Er will den Menschen Frieden bringen. Deshalb kommt er nach Jerusalem. Deshalb kommt er zu uns. Damit wir wissen, Gott ist stärker als alle Krankheit und aller Krieg. Er bringt Frieden.

    Aktion: In Württemberg ist es vielerorts Tradition, Palmbrezeln zu backen. Es handelt sich dabei um einen süßen Hefeteig mit Butter und Zucker, die Palmbrezeln werden oft mit Ei und Mandelplättchen bestreut. Das süße Gebäck erinnert uns an die Freude der Menschen.

    Fürbittengebet (nach velkd.de) :
    E 1 Wir halten dir unsere Herzen hin, Jesus Christus,
    wir strecken dir unsere Hände entgegen.
    Wir wollten dir entgegengehen,
    wir wollten mit dir laufen
    und hineinziehen in deine Stadt.

    E 2: Aber wir können nur mit unseren Herzen zu dir kommen.
    Nur unsere Sehnsucht ist auf dem Weg zu dir.
    Nur unsere Gebete.
    Sie sind alles, was wir haben.

    E3: So beten wir für die Kranken
    für die, denen keine Medizin mehr helfen kann,
    für die, die einsam sterben,
    für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen.
    Komm zu ihnen mit deiner Liebe und heile sie.
    Höre uns.

    E 4: So beten wir für die Menschen,
    die in Krankenhäuser und Pflegeheimen arbeiten,
    in Feuerwachen und Apotheken,
    in Kitas und Supermärkten,
    in Laboren und in Ställen,
    in Ämtern und Gemeinden.
    Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.
    Höre uns.

    E 1: So beten wir für die Menschen,
    die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten,
    die Flüchtlinge,
    die Opfer von häuslicher Gewalt,
    die Verwirrten und Missbrauchten,
    die Hungernden,
    die Einsamen.
    Komm zu ihnen und rette sie.
    Höre uns.

    E 2: Wir halten dir unsere Herzen hin
    und danken dir für den Glauben.

    E 3: Wir danken dir,
    weil wir zu dir und zueinander gehören.

    E 4: Wir danken dir
    für die Zeichen der Liebe und Verbundenheit,
    für die freundlichen Worte,
    für die Musik.

    E 1: Wir danken dir für dein Wort und deine weltweite Kirche.
    Wir wollten dir entgegengehen
    und hineinziehen in deine Stadt.

    E 2: Und wir erleben es:
    Du gehst mit uns durch diese Zeit
    Heute, in diesen Tagen der Passion,
    und jeden neuen Tag.
    Amen.

    Alternativ: Gebet mit Kindern

    Jesus, du bist zu den Menschen gekommen. Ein König und doch ganz nah. Ganz groß und doch ganz klein. Du willst uns nahe sein.

    Wir bitten dich: sei du uns ganz nah, wenn wir Angst haben. Angst vor der Krankheit. Angst vor allem, was kommen mag. Gib uns Geduld, wenn wir das alles nicht mehr aushalten. Und sei bei den Kranken und allen, denen es schlecht geht.

    Danke aber auch für die Menschen, die das Leben aufrechterhalten, in den Läden, in den Krankenhäuser, in Bussen und Bahnen und an vielen anderen Orten.

    Jesus, auf dich dürfen wir vertrauen. Wir danken dir. Amen.

    Vater unser …

    Segen

    L:: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
    und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
    A: Amen.

     

  • add 5. April - Gedanken zum Palmsonntag

    Gedanken zum Palmsonntag:

     

    Wochenspruch: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3,14-15)

    Früher wurde ein Thronfolger bei der Krönung erhöht. Der frischgebackene König wurde auf den Thron gesetzt und von allen bejubelt. Die Menschen verbeugten sich vor ihm und schworen ihm die Treue. Wenn ich an die Erhöhung Jesu denke, dann habe ich ein ganz anderes Bild vor Augen. Jesus wurde oben ans Kreuz genagelt. Statt Jubel gab es Spott. Statt Treueschwüre gab es Beleidigungen und Beschimpfungen.

    In der Passionswoche erleben wir beides: Am Anfang der Woche, beim Einzug in Jerusalem wird Jesus wie ein neuer König gefeiert. Am Ende der Woche ist er tot. Wieso lässt Gott das geschehen?

    Jesus geht auf die Menschen zu. Er zeigt: Gott liebt die Menschen und verzichtet dabei auf jeden Sicherheitsabstand. Gott regiert nicht aus sicherer Entfernung aus dem Himmel, er lässt sich auf die Menschen ein. Gott ist kein unbeteiligter Richter, der von den Menschen fordert, dass sie sich unterwerfen. Gott liefert sich den Menschen aus, um sie für sich zu gewinnen. Jesus riskiert sein Leben, um alles auszuräumen, was uns von Gott trennen könnte.

    Als Christen vertrauen wir darauf, dass Jesus an Karfreitag alles ausgeräumt hat, was uns von Gott trennt. Für mich bedeutet Gericht, dass Jesus uns herrichtet für ein Leben mit Gott. Jesus richtet, was uns unter den Händen zerbrochen ist. Jesus bringt meine Fehler und meine Irrtümer in Ordnung und macht uns bereit für ein gutes Leben mit Gott. Ewiges Leben bedeutet für mich ein ungetrübtes Verhältnis zu Gott, für immer. Es wird nichts mehr geben, was meine Beziehung zu Gott beeinträchtigen kann.

    Die Kreuzigung ist eine brutale Geschichte. Doch gerade darin erlebe ich, dass der christliche Glaube nicht nur an schönen Tagen da ist. Der Glaube spart die dunklen Stunden nicht aus. Der christliche Glaube entfaltet seine ganze Kraft auch dann, wenn es mir schlecht geht. Jesus zeigt: Ich bin da. Ich kenne die Not. Ich weiß was es bedeutet, verraten und verkauft zu sein. Ich weiß, wie es sich anfühlt den Mitmenschen und den Umständen schutzlos ausgeliefert zu sein.

    In der Passionswoche leben wir auf Ostern hin: Ostern zeigt, dass das Leben und dass Gottes liebe stärker sind als alles Leid und der Tod. Gewalt, Hoffnungslosigkeit oder Krankheit haben nicht mehr das letzte Wort. Das letzte Wort hat die Liebe Gottes. Das schenkt mir Hoffnung und hilft mir nicht den Mut zu verlieren.

    Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Passionswoche. Bleiben Sie gesund,

    Ihr Pfarrer Thomas Breitkreuz

  • add 29. April - Sonntag Judika

    L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

    A: Amen.

    L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.

    A: Der Himmel und Erde gemacht hat.

     

    (Entzünden einer Kerze)

     

    Begrüßung

     

     L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der fünfte Sonntag der Passionszeit, der Sonntag Judika. Judika heißt auf Deutsch „Schaffe mir Recht, Gott“. An Jesu Schicksal wird deutlich, dass Menschenwürde immer in Gefahr ist, dass Leid, Schuld und Tod in der Welt eine grausame Wirklichkeit sind. Aber Gott ist ein Gott, der Gerechtigkeit will, den Unterdrückten und Leidenden zur Seite steht. Deshalb ist er in Jesus zu uns gekommen und hat durch seinen Tod alle Schuld und alles Leid, ja, den Tod selbst besiegt.

     

    So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

     

    Lied: EG 361,1.2.4.6: Befiehl du deine Wege (Cantico-App)

     

    Psalm 43 / EG 724 (auf das Ehr sei dem Vater wird auf dem Höhepunkt der Passionszeit verzichtet)

     

    Eingangsgebet: (nach reformiert-info.de)

     

    E 1: Gnädiger und gerechter Gott,

    das Leiden deines Sohnes

    führt uns vor Augen,

    wozu Menschen fähig sind,

    wenn sie hassen,

    wenn sie Angst haben, zu kurz zu kommen,

    oder sich unkritisch treiben lassen

    von gewissenlosen Stimmungsmachern.

     

    E 2: Wie in einem Spiegel

    erkennen wir dabei auch eigene Abgründe:

    Feigheit, wenn wir gefordert sind,

    mutig zu reden und zu handeln,

    Abgestumpftheit gegen fremdes Elend,

    und manchmal auch

    bewusste Gemeinheit und Schadenfreude.

     

    E 3: Es beschämt uns,

    wenn wir uns eingestehen müssen,

    dass wir nicht so sind,

    wie wir gern wären

    oder wie wir vorgeben zu sein.

     

    E 4: Vor dir, Gott,

    ist unser Innerstes nicht verborgen.

    Aber das Kreuz deines Sohnes

    erinnert uns auch daran:

    Deine Liebe ist stärker

    als das Böse in uns

    und in unserer ganzen Welt.

     

    A: Deine Liebe behält das letzte Wort

    und schafft neue Anfänge.

    Gnädiger und gerechter Gott,

    erneuere auch uns.

     

    Stilles Gebet

     

    L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

    (Gebetsstille)

    L: Herr, du hörst unser Gebet, darum kommen wir zu dir.

     

    Lied: EG 97: Holz auf Jesu Schulter

    (oder EG 172: Sende dein Licht und deine Wahrheit=

     

    Predigttext: Hebr 13,12-14

    (Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)

     

    Bibel Teilen in sieben Schritten:

     

    Wir öffnen uns für Gott in Gebet und Lied:

    Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn.

    Eine/r liest den Predigttext

     

    „Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Verweilen und Vertiefen

     

    Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen. Schweigen (ca. 3-5 Minuten)

     

    Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt. Mitteilen

     

    Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text bei den Schwestern und Brüdern ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert. Austauschen

     

    Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen hilfreich sein:

     

        „Draußen vor dem Tor / vor der Tür“ … woran denken wir bei dieser Redensart?

        Ist nur der Tod Jesu gemeint und seine „Schande“, die er auf sich nimmt, oder hat das Wort auch einen Bezug auf die ausgegrenzten Menschen heute?

        Was meint der Text, wenn er uns auffordert, „hinauszugehen“? Was kann das bedeuten, wo wir doch „zu Hause bleiben“ sollen?

        Wie stellen wir uns die „zukünftige Stadt“ vor?

        Ist der Verweis auf die „zukünftige Stadt“ nicht eine billige Vertröstung, fast schon zynisch angesichts des Leids in der Welt?

        „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33)

     

    Lied: z.B. EG 95,1-4 Seht hin, er ist allein im Garten

    (oder EG 592: Licht, das in die Welt gekommen)

     

    Fürbittengebet (nach velkd.de):

    E1: Ratlos sind wir, Gott,

    und bringen unsere Ratlosigkeit vor dich.

     

    E2: In Sorge um unsere Angehörigen sind wir,

    und wir bringen unsere Sorge vor dich.

     

    E3: Bedrückt sind wir,

    und wir bringen unsere Angst vor dich.

     

    A: Dankbar sind wir für alle Menschen,

    die uns Mut machen,

    und wir bringen unseren Dank für sie vor dich.

     

    E 1: Mitten hinein in unsere Angst

    schenkst du uns das Leben.

     

    E 2: Du schenkst uns

    Musik, Gemeinschaft und

    die Fürsorge unserer Freunde und Nachbarn.

     

    E3: Du schenkst uns

    Inspiration,

    Freundlichkeit

    und Mut.

     

    A: Du schenkst uns

    den Glauben, die Liebe und die Hoffnung.

    Dir vertrauen wir uns an – heute und morgen und an jedem neuen Tag.

    Amen.

     

    L: Vater unser …

     

    Segen

    L:: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns

    und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.

    A: Amen.

     

    Kirchenrat Dr. Frank Zeeb

  • add 22. März - Sonntag Lätare

    Andacht für Sonntag Lätare, 22. März 2020

    Vorschlag des OKR für häusliche Andachten

    Kirchenrat Dr. Frank Zeeb

     

    (L: Liturg, A: Alle, E1-E4 Einzelne)

    Der Vorschlag folgt weitgehend der Struktur des sonntäglichen Predigtgottesdienstes. Sie ist als Ganzes komponiert, dennoch können einzelne Teile ausgetauscht oder gelöscht werden. Das gemeinsame Gebet ist bewusst etwas breiter gefasst als das im Sonntagsgottesdienst der Fall ist, es kann auch ­ – vor allem das Fürbittgebet – durch eine Gebetsgemeinschaft ersetzt werden.

    Wenn das Eingangsgebet in dieser Form gebetet werden soll, sollten entweder genügend Exemplare für die Hand der Teilnehmenden bereit liegen oder – wo die technische Möglichkeit besteht – eine Wandprojektion gemacht werden.

    Statt einer Lesepredigt teilen die Anwesenden ihre Gedanken miteinander nach einer Variante des bekannten „Bibel-Teilens“, das vielfach in Haus- und Bibelkreisen eine vertraute Weise ist, sich einem Bibeltext persönlich zu nähern. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass ein Einzelner oder mehrere eigenständig Zeugnis ablegen.

    Die Lieder können selbstredend gegen andere ersetzt werden, es wurde darauf geachtet, möglichst bekannte Lieder vorzuschlagen. Auch ein dünner oder vielleicht nicht ganz tonsicherer Gesang vereint uns mit den himmlischen Chören – es ist aber auch nicht schlimm, wenn einmal nicht gesungen werden kann.

    Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen sind selbstverständlich auch bei diesem Gottesdienst zu beachten (möglichst großer Sitzabstand, kein Segenskreis mit Händefassen …)

    Der Oberkirchenrat wünscht allen Feiernden die Erfahrung der Anwesenheit unseres Gottes, der uns geleitet in guten und schweren Tagen und ganz bestimmt stärker ist als alle Mächte und Viren dieser Welt.

     

    <h4 style="mso-list:l0 level4 lfo1">Liturgie</h4>

    L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
    A: Amen.
    L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
    A: Der Himmel und Erde gemacht hat.

    (Entzünden einer Kerze)

    Begrüßung

     L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der vierte Sonntag der Passionszeit, der Sonntag Lätare. Lätare heißt auf Deutsch „Freuet euch“. Gemeint ist, dass wir mitten in der Passionszeit den Blick aufheben, um uns darüber zu freuen, dass Gott durch das Dunkel des Todes hindurch Licht bringen will und wird. In vielen Kirchen wird das sinnfällig dadurch, dass statt des getragenen Violett die Sinnfarbe dieser Woche das hellere Rosa ist. Diese Gedanken wollen uns sagen: Gott hat seinen Plan mit der Welt, er weiß, was er tut, auch wenn wir manchmal an dem verzweifeln, was uns und aller Welt widerfährt.

     So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

     

    (Als Zeichenhandlung kann man in ein Töpfchen Samen säen, die uns dann die ganze Woche an den Wochenspruch erinnern, gut eignen sich Kresse oder Sonnenblumen, die binnen weniger Tage aufgehen)

    Lied: EG 322,1-6: Nun danket all und bringet Ehr
    Psalm 84 / EG 734 (auf das Ehr sei dem Vater wird in der Passionszeit in vielen Kirchen der
    Ökumene verzichtet)

    Eingangsgebet: (nach VELKD.de)

    A: Jesu Christus, unser Herr, wir singen dir Lob.

    E: Wir singen dir –

    Allein und mit schwacher Stimme

    aber wir sind nicht allein.

    Wir sind getrennt von unseren Freundinnen und Freunden,

    verzichten auf soziale Kontakte.

    A: Aber wir singen nicht allein. Du bist bei uns.

     

    A: Jesus Christus, unser Arzt, wir rufen zu dir.

    E: Wir rufen zu dir --

    in Sorge um die Kranken -

    aber sie sind nicht allein.

    Wir rufen zu dir mit bangem Herz,

    in Trauer um geliebte Menschen.

    A: Aber wir rufen nicht allein. Du bist bei uns.

     

    A: Jesus Christus, unsere Freude, wir hoffen auf dich.

    E: Wir hoffen unter deinem Geleit

    und bitten um Schutz und Schirm für alle

    die pflegen, forschen, retten.

    Wir bitten um Frieden in unserem Land, bei den Nachbarn, in Syrien und an der griechischen Grenze.

    A: Aber wir hoffen nicht allein. Du bist bei uns.

     

    A: Jesus Christus, unser Tröster, wir singen, wir rufen, wir hoffen.

    Alleine und gemeinsam loben, beten, glauben wir.

    Dir vertrauen wir uns an,

    heute, morgen und jeden neuen Tag.

    Amen.

     

    Stilles Gebet

    L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und füreinander.

    (Gebetsstille)

    L: Herr, du hörst unser Gebet, darum kommen wir zu dir.


    Lied: EG 98: Korn, das in die Erde

    Predigttext: Jes 66,16-10
    (Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)

    Bibel Teilen in sieben Schritten:

    1.       Wir öffnen uns für Gott in Gebet und Lied:
    Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn.

    2.       Eine/r liest den Predigttext
    „Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.““

    3.       Verweilen und Vertiefen
    Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen.

    4.       Schweigen (ca. 3-5 Minuten)
    Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt.

    5.       Mitteilen
    Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Manchen Gruppen hilft es, mit einer Murmel oder einem Stein zu arbeiten: Wer den Stein hat, hat das Wort. Wer fertig ist, legt ihn wieder in die Mitte. Wer reden mag, nimmt den Stein. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text bei den Schwestern und Brüdern ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert.

    6.       Austauschen

    Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen – und Texte hilfreich sein:

    – Was empfinde ich bei dem Satzteil„wie einen seinen Mutter tröstet“?
    – Wie kann ich meine Mitmenschen so trösten, wo werde ich getröstet?
    – Muss der Satz mit dem Zorn und den Feinden am Schluss wirklich sein? Was will Gott uns damit sagen?
    – Heinrich Böll schreibt an einer Stelle (in ganz anderem Zusammenhang): „

    Ich bin nicht dein Jerusalem, dachte sie, nein, ich bin es nicht, und doch ist dein Blick, wie der Blick der Pilger sein muß, wenn sie die Türme ihrer heiligen Stadt sehen.“

    Was ist für mich „Jerusalem“? Was war es für die Gläubigen im Alten Testament? Was heißt eigentlich „Pilgern“?
    – Was will Gott uns in Zeiten der Epidemie mit dieser Verheißung seines Reiches sagen? Helfen uns die Naturbilder?

    7.       Lied: z.B. EG 503,12-15 oder EG 408 (Meinem Gott gehört die Welt) oder EG 398 (In dir ist Freude)

    Fürbittengebet (nach evangelisches-brevier.de) :
    L: Jesus Christus, du rufst uns zu dir. Aus dir können wir alles empfangen. Du bist unsere

    Hoffnung. Du bist voller Gnade und Wahrheit für alle, die sich nach dir ausstrecken.

    Dich rufen wir an.

    A: Kyrie eleison.

    Christus Jesus, du bist unser Leben. Du warst gehorsam bis in den Tod. Du bist die

    Quelle geworden von allem Trost. Du bist für uns Weg und Wahrheit und Leben. Und

    Auferstehung ist ganz in dir. Du bist unsere Versöhnung und unser Friede. Dich rufen

    wir an.

    A: Kyrie eleison.

    L: Jesus Christus: Mühselig mit unseren Last und beladen von Schuld kommen wir zu dir.

    Du bist das Heil derer, die auf dich warten. Du bleibst die Hoffnung aller, die in dir

    sterben. Du bringt Erfüllung für jede und jeden, die es mit dir wagen. Dich rufen wir

    an.

    A: Kyrie eleison.

    L: Wir bitten dich: Schaffe dir durch die Macht deiner Gnade ein hörendes Volk, das

    deine Botschaft gern aufnimmt, das immer wieder umkehrt zu dir und Früchte des

    Geistes zu bringen vermag. Dich rufen wir an.

    A: Kyrie eleison.

    L: Stehe allen bei, die sich in Gefahr befinden, die bedrängt sind oder Not leiden. Umsorge

    die Kranken. Gewähre deinen Schutz den Schwachen, den Einsamen und Verl -

    assenen. Schau auf jene, die keine Helfer haben. Dich rufen wir an und beten gemeinsam:


    L: Vater unser


    Segen

    L:: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
    und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
    A: Amen.

  • add 15. März - Sonntag Okuli

    Andacht für Sonntag Okuli, 15. März

    Vorschlag des OKR für häusliche Andachten

    Kirchenrat Dr. Frank Zeeb

    Auf die Empfehlung der Landeskirche hin sollen in den Gemeinden keine Gottesdienste stattfinden, um der Ausbreitung des neuartigen Virus zu wehren. Mancherorts werden sich Familien zusammenfinden, um sich unter den Predigttext des Sonntags zu stellen. 

    (L: Liturg, A: Alle, E1-E4 Einzelne)

    Der Vorschlag folgt weitgehend der Struktur des sonntäglichen Predigtgottesdienstes. Sie ist als Ganzes komponiert, dennoch können einzelne Teile ausgetauscht oder gelöscht werden. Das gemeinsame Gebet ist bewusst etwas breiter gefasst als das im Sonntagsgottesdienst der Fall ist, es kann auch ­ vor allem das Fürbittgebet – durch eine Gebetsgemeinschaft ersetzt werden.

    Statt einer Lesepredigt teilen die Anwesenden ihre Gedanken miteinander nach einer Variante des bekannten „Bibel-Teilens“, das vielfach in Haus- und Bibelkreisen eine vertraute Weise ist, sich einem Bibeltext persönlich zu nähern. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass ein Einzelner oder mehrere eigenständig Zeugnis ablegen.

    Die Lieder können selbstredend gegen andere ersetzt werden, es wurde darauf geachtet, möglichst bekannte Lieder vorzuschlagen. Auch ein dünner oder vielleicht nicht ganz tonsicherer Gesang vereint uns mit den himmlischen Chören – es ist aber auch nicht schlimm, wenn einmal nicht gesungen werden kann.

    Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen sind selbstverständlich auch bei dieser Andacht zu beachten (möglichst großer Sitzabstand, kein Segenskreis mit Händefassen)

    Der Oberkirchenrat wünscht allen Betenden und Feiernden die Erfahrung der Anwesenheit unseres Gottes, der uns geleitet in guten und schweren Tagen und ganz bestimmt stärker ist als alle Mächte und Viren dieser Welt.

    Kirchenrat Dr. Frank Zeeb

    Liturgie

    L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
    A: Amen.
    L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
    A: Der Himmel und Erde gemacht hat.
    L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der dritte Sonntag der Passionszeit, der Sonntag Okuli.

    Das heißt auf Deutsch: Meine Augen sehen auf den Herrn. Wir sind heute an einem besonderen Ort beieinander, um Gottesdienst zu feiern. Nicht wie sonst in der Kirche, sondern … Das tun wir im Aufsehen auf Gott und sein Wort, das uns mahnt, das Beste der Stadt zu suchen. Und in diesen Zeiten ist es das Beste für unsere Stadt und unser Land, nicht in großen Gruppen und der gottesdienstliche Gemeinde zusammenzukommen, denn dadurch könnte großer Schaden entstehen. So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." Wir sind gewiss, dass Gottes Reich mitten unter uns ist, wenn wir miteinander in seinem Namen zusammenkommen.

    Lied: EG 432: Gott gab uns Atem, damit wir leben.
    Psalm 34 / EG 718 (auf das Ehr sei dem Vater wird in der Passionszeit in vielen Kirchen der
    Ökumene verzichtet)
    Eingangsgebet: (nach VELKD.de)
    E1: Du Gott des Lebens, Jesus Christus,
    du rufst uns und wir wollen dir nachfolgen.
    A: Du rufst uns, aber wir sind unsicher.
    Du rufst uns, aber wir fürchten uns.
    E2: Ungewissheit und Angst erfüllen unsere Gedanken.
    A: Wir sind in Sorge.
    E3: Wir sorgen uns um unsere Lieben.
    A: Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an.
    Behüte und bewahre sie.
    E4: Wir vertrauen uns deiner Fürsorge an.
    Behüte uns und bewahre uns.
    Kyrie eleison – Herr, erbarme dich
    E1: Krankheit bedroht die Schwachen.
    A: Wir sind hilflos.
    E2: Wir wissen, dass wir sie nicht schützen können.
    E3: Wir vertrauen die Kranken deiner Fürsorge an.
    Behüte und bewahre sie.
    E4: Wir bitten für die Sterbenden –
    A: in unserer Nähe und in aller Welt.
    Behüte sie und erbarme dich.
    E1: Wir danken dir für alle,
    die in Krankenhäusern, Laboren und Ämtern arbeiten
    und sich um das Wohl aller mühen.
    A: Behüte und leite sie und erbarme dich.
    Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.
    E2: Der Krieg in Syrien endet nicht.
    Wir hören von den Flüchtlingen,
    Sie wollen der Gewalt entkommen.
    A: Behüte und bewahre sie.
    E3: Wir hören von den Kindern in Lagern und auf der Flucht.
    Sie werden für fremde Machtinteressen benutzt.
    A: Wir wissen, dass unser Mitleid nicht genügt.
    Behüte und bewahre sie.
    E4: Wir hoffen auf das Ende der Gewalt.
    Leite die Mächtigen.
    Kyrie eleison – Herr, erbarme dich
    L: Du Gott des Lebens, Jesus Christus,
    du rufst uns und wir wollen dir nachfolgen.
    Hilf deiner Gemeinde,
    mache ihren Mut größer als ihre Furcht,
    tröste sie in Angst,
    begeistere sie,
    erfülle sie mit Liebe
    damit sie deine Liebe weitergibt.
    A: Du rufst uns und wir danken dir
    für den Mut, für den Trost und für deine Liebe.
    Heute und alle Tage.
    Amen.
    L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und Füreinander
    Lied: EG 391: Jesu geh voran.

    Predigttext Lk 9,57-62:
    (Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)
    „57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
    58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
    59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
    60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
    61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.
    62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

    Bibel Teilen in sieben Schritten:

    1. Wir öffnen uns für Gott in Gebet und Lied:
    Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn.

    2. Eine/r liest den Predigttext
    „Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

    3. Verweilen und Vertiefen
    Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen.

    4. Schweigen (ca. 3-5 Minuten)
    Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt.

    5. Mitteilen
    Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Manchen Gruppen hilft es, mit einer Murmel oder einem Stein zu arbeiten: Wer den Stein hat, hat das Wort. Wer fertig ist, legt ihn wieder in die Mitte. Wer reden mag, nimmt den Stein. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text bei den Schwestern und Brüdern ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert.

    6. Austauschen
    Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen hilfreich sein:
    – Was heißt heute „Nachfolge“?
    – Wo sind die Grenzen der Nachfolge?
    – Wie verträgt sich eine solche radikale Nachfolge mit der Nächstenliebe und den sozialdiakonischen Pflichten gegenüber den Mitmenschen?
    – Sollte man nicht viel mehr zurückschauen, um aus der Vergangenheit zu lernen.
    – Was will Gott uns in Zeiten der Epidemie mit der Verheißung seines Reichen sagen? Wozu fordert er uns auf?

    Lied: z.B. EG 395 (Vertraut den neuen Wegen), oder: EG 395 Wohl denen, die da wandeln oder: EG 299: Aus tiefer Not
    Fürbittengebet (nach evangelisches-brevier.de) :
    L: Gott, du hast Himmel und Erde gemacht durch dein Wort. Dein Wort ist Fleisch geworden :
    Jesus, dein Sohn, der als Licht scheint in aller Finsternis. Wir bitten dich: Gib uns seinen Geist, dass
    wir dieses Licht und weiter verbreiten in dunkler Zeit.
    Licht sehen. Wir rufen:
    A: Herr, erbarme dich!
    L: Lass es hell werden, in uns und in aller Welt. Wo Angst quält, wecke Hoffnung; wo Trauer lähmt,
    wecke Freude; wo Hass herrscht, wecke gewinnende Güte, auch durch uns. Wir rufen:
    A: Herr, erbarme dich!
    L: Wir vereinen uns mit allen, die heute zusammenkommen , um dich anzurufen und deine
    Nähe zu feiern. Sei auch denen nahe, die dich nicht suchen und nicht nach deinem Willen fragen.
    Gehe ihnen nach in deiner Liebe und rufe sie auf den Weg zum Leben. Wir rufen:
    A: Herr, erbarme dich!
    L: Gemeinsam beten wir. Vater unser …
    L: Segen: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
    und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
    A: Amen.

     

  • add 15. März - Gedanken zu Okuli und Corona

    Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

    Früher wurde mit Pferden, Ochsen oder nur mit Kühen gepflügt. Der Bauer hat in der Ferne einen Baum, einen Kirchturm anvisiert und dann wurden die Furchen über das Feld gezogen. Wenn der Bauer nach links oder nach rechts oder gar nach hinten blickte, wichen die Zugtiere vom Kurs ab und aus den schönen Furchen wurden Schlangenlinien. Ein Bauer, der sich nicht auf seine Arbeit konzentrierte, machte seine Arbeit nicht gut.

    Der Bibelvers Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes stammt direkt von Jesus. Er war mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Die Zeit drängte und keiner wusste so recht, was Jesus in Jerusalem erwarten würde. Jesus spricht in klaren und radikalen Sätzen. Als ein Mann Jesus einige Bibelverse zuvor verspricht, ihm immer folgen zu wollen, warnt Jesus ihn, dass er kein Haus hat und nicht weiß, wo er als nächstes übernachtet. Ein anderer möchte mit Jesus ziehen, aber vorher noch seinen Vater beerdigen. Das war nach jüdischer Sitte die Aufgabe des Sohnes. Jesus sagt: lass die Toten ihre Toten begraben, du aber folge mir nach. Noch einer will Jesus folgen, aber vorher sich von seiner Familie verabschieden und alles klären und regeln. Zu ihm sagt Jesus: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

    Vieles hat sich in den letzten 2000 Jahren verändert. Als Kirchengemeinde haben wir tolle Gebäude, in denen wir uns in normalen Zeiten treffen können. Ich bin froh, dass auch Sie ein festes Dach über den Kopf haben. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie werden Menschen beerdigt. Ich bin dankbar, dass es Wissenschaftler gibt, die zurückblicken, um das Corona-Virus zu verstehen und um die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen.

    Für mich sagt Jesus nicht, dass es verboten ist zurückzublicken, weder in die Vergangenheit zurückzublicken, noch in eine Himmelsrichtung zurückzublicken. Ich verstehe Jesu Aufforderung, meinen Blick auf das Wesentliche zu richten. Blicke auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens – das ist meine Aufgabe als Christin und als Christ. Lass dich nicht ablenken von den vielen Dingen, die auf dich einprasseln und die dich von Gott fernhalten wollen.

     

    Der Blick auf Jesus ist für mich ein hoffnungsvoller Blick: Jesus behält das letzte Wort. Egal wie es mir in den nächsten Wochen und Monaten gehen wird. Ich weiß, dass Jesus immer an meiner Seite steht.

    Der Blick auf Jesus ist für mich besonnen und ernsthaft. Gott hat uns einen Verstand gegeben und Menschen ausgerüstet mit Krankheiten umzugehen. Ärzte können uns sagen, was jeder einzelne tun kann um das Virus zu verlangsamen: Abstand halten, die Hände waschen, in den Ärmel niesen und so weiter. Wir sind aufgefordert Rücksicht aufeinander zu nehmen.

    Der Blick auf Jesus ist für mich ein solidarischer Blick. Für mich heißt das nicht zu Hamstern, sondern im Supermarkt nur so viel zu kaufen, dass es für die anderen auch noch reicht. In der Apotheke nur das zu kaufen, was ich wirklich brauche, damit genügend Desinfektionsmittel und Atemmasken für die Menschen da sind, die sie wirklich benötigen.

     

    Blickt auf Jesus Christus und nicht auf das viele andere, was euch von Jesus und der Wahrheit ablenkt. In diesen Wochen gibt es viele Fake-News. Menschen bekommen Aufmerksamkeit, Klicks und Likes, wenn sie unwahre Dinge verbreiten. Diese Gerüchte, Lügen und Verschwörungstheorien helfen nicht, sondern machen Angst. Blicken Sie auf die Wahrheit.

    Blicken Sie auf Gott, der zu Ihnen sagt: Du bist mein Kind. Ich bin immer für dich da. Ich gehe mit dir durch dick und dünn. Ich halte dich in meiner Hand. Mit dem Blick auf Gott werden wir auch die kommenden turbulenten Wochen und Monate überstehen. Ich grüße Sie herzlich mit dem Refrain eines Irischen Segensliedes: Und bis wir uns wieder sehn halte Gott dich fest in seiner Hand.

    Ihr

    Pfarrer Thomas Breitkreuz